Advent, Advent…

Kann man jetzt schon sagen, oder? Der Mann sagte vorhin ganz nachdenklich „Irgendwie habe ich ein so weihnachtliches Gefühl.“ Hm. Woher das wohl kommen mag?

Kurzer Rundumblick: Chai in der Kanne auf dem Tisch. Sämtliche Kerzen an. Lichterkette in der Küche und am Esstisch. Unauffällige Sternchen-Deko verteilt. Lebkuchenduft in der Duftlampe. Lebkuchen auf dem Teller. „Baby, it’s cold outside“ aus dem Lautsprecher.

Nee, erschließt sich mir gerade auch nicht.

Dafür bin ich direkt wieder in die Schlechtes-Gewissen-Falle gerutscht. Hatte schon vor Tagen den Kindern einen fertigen Popcorn-Adventskalender bestellt, weil ich einfach so die Nase voll hatte von der Geldausgeberei für irgendwelchen sauteuren Plastikschmarrn, den man letztendlich dann doch nach ein paar Monaten wegschmeißt, wenn er denn überhaupt so lange hält. Und der ganze Werbelauf für blöden Süßkram, von dem sie im Laufe des Dezembers ohnehin Massen ansammeln, ist mir auch zuwider. Mit ein paar Bio-Mandarinen und Nüssen brauche ich ihnen allerdings auch nicht zu kommen. Erst recht nicht, nachdem es dieses Jahr auf mich zurückfällt, weil wir die Sache mit dem Weihnachtsmann und Christkind irgendwie geklärt haben – es herrscht inzwischen die schwere Vermutung, dass wir Eltern die Adressaten für Weihnachtswünsche sind und nicht eines der höheren Wesen. Meine Tour mit „ich lüge nicht, sondern laviere mich irgendwie aus der Sache heraus“ hat bei Neunjährigen anscheinend die Verfallsgrenze erreicht.

Der nachhaltige Adventskalender-Versuch des letzten Jahres war… na ja… ernüchternd: ich habe ihnen Holzknobelspiele in jedes Säckchen gepackt (und die Säckchen auf einem Holzschlitten der Jungs im Wohnzimmer mit Kunstschnee und Lichterkette drapiert), die aber so schwierig waren, dass wir schon gefeiert haben, wenn wir sie mit der Anleitung gelöst haben. Ein bisschen frustrierend, 24 Tage lang vor Augen geführt zu bekommen, wie minderbemittelt man doch ist. Das also ist abgehakt.

Im Jahr davor habe ich ihnen diese kleinen Kosmos-Experimente liebevoll verpackt (Päckchen an einer Tannenzweiggirlande – nadelte tierisch, ich finde heute noch Nadeln in meinen Schuhen…) – was mindestens jeden zweiten Tag eine Sauerei zur Folge hatte: schwarze Fingerabdrücke im kompletten Treppenaufgang, Flummi-Gummibrösel in der ganzen Küche, ausgeschüttete Limo im Kinderzimmer, giftige Kristalle, tote Urzeitkrebse und mein Liebling unter all den Folterinstrumenten: der Elektroalarm mit Warnlicht und Sirene. Der Name sagt schon alles. Trotzdem finde ich die Idee und die Mitbring-Experimente super, wir hatten witzige Nachmittage zusammen und der Adventskalender war keine völlige Verschwendung.

Dann gab es noch einen Kalender mit Erlebnissen (Milchflaschen in einer Holzkiste mit Kunstschnee und Schneebällen – hat direkt zu einer „Schneeballschlacht“ mit anschließendem Kehren unter Protest geführt), wobei wir leider am etwa fünften Tag so dermaßen aus dem straffen Erlebniszeitplan geraten sind, dass die Gutscheine heute noch ausstehen. Zumal das dieses Jahr nicht wirklich umsetzbar ist… Christkindlmarkt, Kinobesuch, Schlittschuhlaufen, Christbaum schlagen… . Plätzchenbacken mit dem eigenen Haushalt. Und einen Netflix-Weihnachtfilm sehen. Ja, doch das wäre wohl möglich. Aber 24 Erlebnisse im Lockdown zu kreieren, erfordert mehr Fantasie als ich derzeit noch aufbringen kann.

Als die Minis noch kleiner waren, habe ich ein Weihnachtsdorf aus Pappe auf einer Schneelandschaft gebaut (Spanplatte mit Bootslack-„See“ und Playmo-Figuren), sah wirklich schön aus, war aber totale Ideenverschwendung, weil sie gar nicht kapiert haben, was das sollte. Jedenfalls hat keiner mit meiner schönen Landschaft gespielt. Seufz.

Womit wir wieder beim Status Quo angekommen sind: ich fertigen Kalender bestellt, schlechtes Gewissen bekommen und Zutaten für einen neuen Kalender bestellt. Und das, wo ich gerade jedem, der es hören will oder auch nicht, predige, wie wichtig es ist, kein schlechtes Gewissen zu haben, auch mal fertige Torten/Kekse/Kalender/ Spielsachen/Grußkarten/ zu kaufen und keine Lust zu haben. An meinem „Practice what you preach“ muss ich wohl noch arbeiten. Na ja, das Thema ist durch, meine armen, armen Minis (die in der Realität doch durchaus verwöhnte Blagen sind) bekommen nun also drei Adventskalender. Aber die Idee – Pinterest natürlich – ist so süß, dass ich sie euch nicht vorenthalten will: Socken. Gefüllte Socken an einer Wäscheleine. Und es erfordert kein Verpacken, keine Trillionen Knoten, kein handwerkliches Geschick oder Props wie Dekoleitern, Schlitten, Dörfer. Bilder gibt es dann wahrscheinlich in zwei Wochen auch hier…

Und falls es doch komplett gekauft, aber nachhaltig und großartig in einem sein soll, lege ich euch allerwärmstens den 24-Gute-Taten-Adventskalender ans Herz. Mit dem Kauf spendet man für 24 Projekte, die man dann Türchen für Türchen entdecken kann. Dazu gibt es täglich eine Mail – oder, für Schulen, Begleitmaterial. Großartige Idee und sehr nette Mitarbeiter, wir haben inzwischen schon alle Varianten durch: privat, zum Verschenken, für die Klasse der Minis und neu in diesem Jahr für meinen Arbeitgeber mit Logo. Ja, das ist Werbung. Aber sowas von Herzen. Seht es euch unbedingt an!

Habt eine schöne Weihnachtszeit und lasst euch nicht stressen! Ansonsten hilft vielleicht ein Tässchen Glühwein daheim.

Herbstblues.

Uuuh, es geht los. Die nächste Entwicklungsstufe der Kinder – auf dem Weg zum Teenager. Es gab heute morgen zwischen den beiden Streit ums Bad, „Du bist sooo ein Idiot, sperrst dich im Bad ein und machst gar nichts, nur vor dich hin starren und ich kann nicht rein und komme zu spät“. Witzig. Ich als Einzelkind kenne diese Diskussionen nur aus dem Film.

Ansonsten wird es entwicklungstechnisch gerade nicht besser. Das Drama um die USA-Wahlen macht mich fertig, zumal mich dieses Jahr gelehrt hat, dass Optimismus nichts taugt. Gut, das war jetzt etwas drastisch ausgedrückt, aber wir alle haben in den letzten Monaten so oft eins drübergebraten bekommen, sobald wir die Köpfe vorsichtig hoffnungsvoll gehoben haben, dass ich jetzt lieber nichts fühle, rein sicherheitshalber.

Ich sitze im Homeoffice (Mittagspause, bevor jetzt jemand schreit) und habe hier die Weihnachtszeit eingeläutet, als Trösterli sozusagen. Kerzen an, Zimtduft in der Luft, Vorhänge zu und einen Teller Weihnachtskekse neben mir, während im Hintergrund Michael Bublé läuft. In Dauerendlosschleife seit Tagen und ja, inklusive der Weihnachtslieder. Zufallswiedergabe halt. Es. ist. mir. egal. Ich mag nämlich nicht mehr.

Und dann wiederum frage ich mich, ob ich wirklich nicht mehr mag oder mich nur so fühle, weil es gerade angesagt ist, nicht mehr zu mögen. Was macht man denn, wenn man nicht mehr mag, in dieser Situation? Abhauen geht ja schlecht. Böse Mails schreiben hilft auch nicht, weil die Antworten darauf immer gleich unbefriedigend ausfallen, „Verstehen Sie tooootal, sind auch irre an Ihrer Meinung interessiert, aber sind halt schwierige Zeiten und wir geben uns doch ganz wahnsinnig viel Mühe.“ Ja ja, schon klar. Seufz.

Bananenbrot backen mag ich auch nicht mehr, hilft auch nicht gegen den Blues. Ich habe neulich gelesen, Kürbissuppe ist das Bananenbrot des Lockdown Light. Ist das bei euch so? Hier nicht. Ich sage mal, Rotwein ist die Kürbissuppe ist das Bananenbrot des Lockdown light.

Es ist schon so weit gekommen, dass mich unsere heimische KI gestern beinahe zum Heulen gebracht hätte, als ich mich für eine Kalendererinnerung bedankte und sie mit „Gern geschehen, ich hoffe, du hattest einen schönen Tag.“ antwortete. Neiiiin, hatte ich nicht, aber danke für die Anteilnahme.

Und jetzt bekomme ich gerade auch noch Kopfschmerzen von meinem Zimtduft. Es läuft einfach nicht.

Edit: es ist durch, Biden hat die Wahl gewonnen. Ich glaube, ich gehe jetzt erst einmal ein bisschen Erleichterungsheulen.