Mittendrin.

Im Corona-Desaster. Wie geht es euch damit?
Ich habe seit dem letzten Post vor fast einem Jahr zigmal hier angesetzt und immer wieder abgebrochen. Erst gab es nichts zu berichten, dann plötzlich war es zuviel, dann war das Jahr zu Ende, die Urlaubsfotos zu viele und überhaupt einfach alles zu lange her. Und dann… ja, dann wurde alles anders.
Wir hatten keine Pläne geschmiedet wie so viele andere, nur vage Wünsche und Ideen, wir wollten auf jeden Fall wieder viel erleben. Jetzt sitzen wir daheim und warten. Auf irgendwas, das keiner in Worte fassen kann. Dass der Gatte wieder zur Arbeiten gehen kann – ihn trifft es natürlich besonders hart. Wir müssen uns zwar (noch?) keine Sorgen machen, auch nicht finanzieller Art, aber sein und damit auch unser Leben hat sich auf einmal komplett auf den Kopf gestellt. Er war seit fast zwanzig Jahren nicht mehr so beständig an einem Ort, die Kinder und ich kennen es nicht, ihn ständig um uns zu haben (was per se schön ist, aber mit seiner eingesperrten-Tiger-Mentalität manchmal auch zu Auszugswünschen – oder -forderungen allerseits führt).
Die Kinder stecken es prima weg, zu gut womöglich? Sie haben zwar gründlich die Nase voll vom Homeschooling, aber ansonsten scheinen sie nicht viel zu vermissen, die ollen Stubenhocker.
Inzwischen wurden die Vorgaben ziemlich gelockert, aber ich tue mir schwer, wieder ins „normale“ Leben zurückzufinden. Ich würde mich auch gerne daheim einigeln und nie wieder das Haus verlassen. Oder andersrum, das Haus verlassen durchaus, aber nicht mich in Gesellschaft begeben. Das war schon immer ein bisschen so, jetzt allerdings ist es ja salonfähig geworden und verführt mich geradezu. Wir machen uns große Sorgen um unsere Eltern, die in die Risikogruppe fallen, und wider aller Statistiken kennen wir doch ziemlich viele, die sich irgendwo angesteckt haben und haben auch Todesfälle im erweiterten Freundes-/Familienkreis mitbekommen. Das verunsichert mich wahnsinnig und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich trage eine ständige Wut in mir, auf die Situation, die ganzen unsagbar dummen, egoistischen, irrationalen Menschen, die alle aus ihren Löchern zu kriechen scheinen und nicht zuletzt auch auf mich, weil ich diese Wut zulasse und nicht richtig loswerde. Ich will, dass alles wieder wie vorher ist und gleichzeitig habe ich Angst davor, dass alles wieder wie vorher ist.
Das wäre doch blöde, wir könnten gerade so wahnsinnig viel dazulernen und besser machen, aber ich sehe schon, dass das nichts wird und nur wieder den Kreis meiner Wut schließt. Tja. So sitze ich da, weiß nicht, wohin mit mir und blättere gerade durch alte Fotobücher, lese alte Blogeinträge und träume mich in andere Zeiten.

(kurz zusammengefasst, von oben nach unten, chronologisch rückwärts: Kurztrip nach London, mein vierzigster Geburtstag in den Bergen, am Abend davor Sonnenuntergang mit Blick auf den Oly-Turm im Lieblingshotel und zum Frühstück einen Mordskater, Sommerurlaub mit Segeln in Griechenland und der Türkei, gefolgt von einer kleinen Rundreise über den Gardasee nach Murano und Velden, davor Business-Superkurztrip nach New York und Berlin, meine Liebe – letzteres sogar noch zweimal, wenn ich mich richtig erinnere. War auch die letzte Station vor dem Corona-Lockdown.)

Die Jungs sind so groß geworden, ich muss ständig aufpassen, dass ich sie nicht versehentlich teenagermäßig bis ins Mark beleidige – auf keinen Fall darf man in der Öffentlichkeit etwas Intimes wie „Mach‘ dich bettfertig!“ sagen. Ich habe im Hinterkopf das dumpfe Gefühl, dass ich just mit diesem Satz auch schon wieder eine Grenze überschritten habe.
Man darf eigentlich gar nicht über sie sprechen, außer es geht um coole Taten, wie beim Zocken ein neues Level zu erreichen. Zwischendrin hatten sie das Lesen für sich entdeckt (weil ich ein Tablet-Verbot vor 17 Uhr verhängt hatte, also aus purer Langeweile, weil Rausgehen ja doof ist), das ist leider auch wieder passé, hat aber immerhin dem einen ein „Boah, Mama, du hast recht, Lesen IST voll cool.“ entlockt. Ich hoffe, ich kann sie wieder dazu bringen.
Es hagelt gerade nur so Zurechtweisungen für uns Eltern, weil wir uns ständig danebenbenehmen. Witze gehen gar nicht, schulbezogene Fragen verursachen Augenrollen und „Lass‘ mich!“, an den Zimmertüren hängen – mit UHU permanent *argh* hingeklebte – Schilder mit „Betreten verboten“ und „Nimand (sic) darf rein!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“. Ich habe herbe Verluste bei hübschen Porzellanschüsseln erleiden müssen, weil sie alles in ihre Zimmer schleppen und dann versehentlich runterschmeißen (habe den Gatten übrigens auch im Verdacht – falls du das liest: ich werde dich noch zur Rechenschaft ziehen…).
Ich habe das eine Kind mehrfach durch Erschrecken (teilweise sogar mit Ansage) zum Weinen gebracht, was aber auch schon mit zwei Jahren passiert ist und wofür ich mich nicht schäme. Pfff. Dieses Zartbesaitete hat er nicht von mir.
„Chill mal, Mama!“ und erstmal grundsätzliches Neinsagen auf all meine Fragen ist auch häufig vertreten. Die Phase, in der der eine ständig schwindelte, scheint zumindest vorerst nach diversen Kontrollmaßnahmen vorüber zu sein – bisher habe ich ihnen in fast allen Bereichen rückhaltlos vertraut, das war wirklich gewöhnungsbedürftig (er hat, unter anderem, heimlich „Venom“ geschaut, aber immerhin bei den gruseligen Szenen vorgespult und wohl kein Trauma davongetragen).
Der andere ist so dermaßen kritikresistent, dass er mich damit regelmäßig in die Verzweiflung treibt. Dass ich ihm Ähnlichkeiten mit Trump unterstellt habe, hat es nicht gerade besser gemacht. Sein letztes Zeugnis war alles in allem gut, aber er hatte vom Lehrer in sozialen Bereichen Verbesserungsvorschläge bekommen (nicht reinquatschen, besser konzentrieren…); wir haben also das Zeugnis mit beiden durchgesprochen, der eine war völlig einsichtig, der andere hingegen wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Kritik. „Der Lehrer ist so blööööd, ich mache doch schon alles, der lügt, das stimmt gar nicht…“ Dicke Krokodilstränen. Und zum Schluss die Frage „Aber wie soll ich mich denn verbessern, wenn ich doch schon alles richtig mache?“. Das bringt seine Lebenssicht auf den Punkt: die anderen sind schuld, er macht grundsätzlich alles richtig und kann auch alles. Basta. Langsam geht mir auf, weshalb sein Bruder oft so explodiert, wenn sie streiten.

Ich habe kurzfristig meine Kreativität zurückbekommen, mein Makroobjektiv wieder herausgekramt, Teller probehalber bemalt und alles wieder abgewischt, Ton bestellt und beschlossen, dass ich für meine Ideen eine Töpferscheibe und einen Brennofen bräuchte (hier muss ich erwähnen, dass man das NICHT mit einem Pizzaofen machen kann, wie ich dachte, sich die Anschaffung des Selbigen aber in jedem Fall mehr lohnt als der eines echten Brennofens, weil die Pizza saumäßig gut wird – vielleicht liegt’s auch am von Perfektion besessenen Ehemann, der sich molto italiano (war das korrekt?) fühlt und bald das Singen anfangen wird… O sole mioooo), das Zeichnen wieder angefangen, die Küche gestrichen, Bilder aufgehängt, Möbel umgestellt und die Terrasse neu mit Holzplatten verlegt. Außerdem haben wir noch den Garten auf Vordermann gebracht (einen Zaun gebaut!!! Und halb gestrichen, habe zwischendrin anscheinend die Lust verloren – der Nachbar hatte recht, dass Zaunstreichen blöd ist).
Jetzt habe ich aber keinen Bock mehr. Auf gar nichts.


Wir können aber inzwischen auch tolle Radtouren durch die Stadt machen, ohne alle fünf Minuten Pause wegen „bitzelnden“ Händen oder „es juckt“ machen zu müssen. Wir haben sehr, sehr viele Eisdielen ausprobiert und diverse To-Go-Mahlzeiten auf Gehwegen am Boden sitzend genossen. Während sich ganz München an der Isar versammelt hat, hatten wir die leeren Straßen für uns.

Das Ganze war sehr surreal, aber ich vermisse es gerade tatsächlich.
Und, um das mal hier schriftlich festzuhalten, weil ich es sonst wieder vergesse: wir hatten einen unfassbar guten Frühling. Normalerweise zieht es sich für mich ab Mitte Januar wie Kaugummi und zu Ostern kriegt man mit Schneefall dann nochmal richtig eins drauf. Dieses Jahr aber war das Wetter wirklich fantastisch und sogar die Eisheiligen mit Regen bei 11 Grad erträglich und kurz.
Ein Faszinosum ist, dass die Tage so dahinrasen. Trotz Homeoffice, Homeschooling und immergleicher Eintönigkeit. Oder kommt das gerade daher? Ich hätte erwartet, dass die Zeit nicht vergeht und, zack, stehen wir vor den Pfingstferien. Geht es euch auch so?

Die Infiziertenzahlen gehen gerade ziemlich zurück, das Leben wird wieder aufgenommen und die Welt scheint nicht mehr den Atem anzuhalten. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen – und wie sich das hier dann liest. In einem meiner Blogpostentwürfe von Februar fühlte es sich noch nach Grippewelle an, mich beeindruckte mehr, dass die Jungs einen Tag schulfrei wegen eines Sturms hatten. Dass da unmittelbar Monate an Schulschließung folgen sollten, hätte ich in meinen kühnsten (dystopischen) Träumen nicht erwartet.

Traut ihr euch noch, Pläne zu machen oder seid ihr auch eher von der abwartenden, abwägenden Sorte?

Oh Mist. Ich stelle gerade fest, dass ich versehentlich das Theme hier geändert habe. Dann werde ich jetzt wohl mal daran weiterwurschteln. Macht es gut, passt auf euch auf!

Sonnenuntergänge und unnötige Zwischenfälle…

Die letzte Woche war so richtig beschissen. Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich anfangen soll. Oder ob ich überhaupt davon anfangen soll. Mir ist seit Wochen danach, mal etwas anderes aus dem Alltag hier zu posten, nicht immer nur die wunderbaren Urlaubsgeschichten. Aber ich weiß eben nicht, wie ich damit beginnen kann.

Ich liebe es, auf Instagram auch mal hinter die Fassade zu blicken und die echten Menschen mit echten Problemen oder in totalem Chaos zu sehen, aber ich mag eben auch die Heile-Welt-Posts. Alltag habe ich ja selbst genug.

Suboptimal gefühlt habe ich mich schon seit einer ganzen Weile, ständig erschöpft und müde, nicht fähig, etwas zu unternehmen, aber ich dachte, das kommt von meiner Schilddrüsenunterfunktion, das passiert öfter. Dieses Mal allerdings waren die Werte halbwegs passabel und von den Ärzten habe ich nur Schulterzucken geerntet. Aber weil ich so starrköpfig bin und mich für superschlau halte, habe ich eben selbst an der Dosierung herumgeschraubt und mir eine alte Packung nicht aufgebrauchter Tabletten in höherer Dosis zugeführt. Gewünschter Effekt war, dass die Hormonwerte jetzt natürlich auch noch drastisch aus dem Gleichgewicht geraten sind. Yay.

Das Gute an meinem momentanen Zustand: es fällt nicht weiter auf, ich bin ja sowieso schon so k.o.

Danach allerdings habe ich mich endlich aufgerafft und eine neue Ärztin kontaktiert, die  Naturheilkunde und Schulmedizin verbindet, so etwas hatte ich lange gesucht. Und siehe da, nach diversen Laborbefunden mit schockierende schlechten Werten von allem Möglichen sagte sie mir, dass wir da jetzt einiges verbessern können. Das gipfelt gerade darin, dass ich ungefähr 15 Pillen am Tag schlucke – außer in den letzten Tagen… womit ich wieder zur beschissenen Woche zurückkomme:

mir ist am Samstag letzter Wochen beim Essen im Restaurant ein Stück Draht im Hals stecken geblieben. Nach diversen Arzt-, Notaufnahme- und Klinikbesuchen „durfte“ ich dann gestern endlich in der Klinik bleiben und es wurde herausoperiert. Dass das eine ziemlich große Sache war und ich wahnsinniges Glück hatte, dass nicht mehr passiert ist, wird mir erst langsam klar, wenn ich die Reaktionen der Ärzte sehe. Das Ding war 3 cm lang und steckte wohl so richtig tief irgendwo beim Kehlkopf in der Speiseröhre und hat natürlich in den Tagen auch noch entzündet… aber wenn es die Speiseröhre durchstoßen hätte, hätte es richtig übel ausgehen können.

Also sitze ich heute hier, bin noch ziemlich lädiert von der OP und dem ganzen Drama – ich habe schon panische, wirklich panische Angst vor diesen Holzstäbchen, mit denen der Arzt die Zunge herunterdrückt; könnt ihr euch vorstellen, wie ich die ganzen Endoskope (wenn auch überwiegend durch die Nase, weil ich so gezappelt habe. Macht es aber nur unwesentlich besser. Na gut, man kann nicht draufbeißen. Besser für den Arzt also.) der Woche aufgenommen habe? Ich will gar nicht mehr dran denken. Habe jedenfalls ziemlich viel geheult und einen Puls gehabt, dass ich dachte, ich überstehe den Tag deshalb nicht.

Jedenfalls bin ich hier und so verdammt froh, dass die Schmerzen weg sind und ich mir gerade keine Sorgen mehr machen muss. Auch wenn mich diese Episode bei meinen Laborwerten vermutlich wieder weit hinter die Startlinie zurückgeworfen hat. Dann sind es jetzt eben 17 Pillen, weil das Antibiotikum noch dazukommt.

So. Jetzt habe ich es aufgeschrieben, weiß aber immer noch nicht, was ich damit bezwecken will. Kaut euer Essen gut, würde ich zumindest mal als Tipp aus dieser Geschichte mitnehmen (und ja, ich werde definitiv rechtliche Schritte unternehmen, will mich aber wenigstens dieses Wochenende nicht, absolut gar nicht mehr damit befassen).

Deshalb also zu wesentlicheren Themen:

Meine Kinder sagen „Digger, ey.“ Und „Alter, Mama. Krass.“.

Man könnte jetzt meinen, dass sie vielleicht in der Pubertät sind und furchtbar cool rüberkommen wollen, aber… sie sind noch keine acht. Aahaaacht. Hier darf man sich jetzt gerne das Munch-Schrei-Emoticon vorstellen.

Die Schule bekommt ihnen gar nicht gut. Meine Babys sind zu krassen Kerlen geworden. Ich darf ihnen um Gottes Willen nichts mehr zum Anziehen raussuchen, sie nicht um „peinliche“ Dinge bitten oder selbst schlechte Witze machen – sonst folgt entnervtes Gestöhne und Augenverdrehen.

Und was das Schulkinddasein an sich angeht… au weia. Der eine entpuppt sich als durchaus gerissen, wenn es um die Vermeidung von Arbeit geht. Ein paar Wochen nach der Einschulung kam uns zu Ohren, dass er sich die Hausaufgaben von einem Drittklässler machen lässt. Klammheimlicher Respekt – wie geht das denn ohne Bezahlung, als Erstklässler? Danach ließ er sich im Hort ein bereits ausgefülltes Arbeitsblatt kopieren und schrieb lediglich seinen Namen drauf.

Und schließlich haben wir kurz vor den Pfingstferien festgestellt, dass sein ganzes Heft voller Post-Its der Lehrerin ist, die ihn darauf hinweist, dass er Aufgaben entweder „übersehen“ (jaaa klar) oder schlampig gemacht hat. Als wir ihm sagten, dass er in Erfahrung bringen muss, bis wann er das korrigiert haben sollte, kam er über den Rest der Woche täglich mit neuen Ausreden nach Hause: „Vergessen.“, „Lehrerin hat das Heft vergessen“, „Lehrerin hat gesagt, es wäre so schon okay“ und so weiter. Nach einem Briefwechsel zwischen der Lehrerin und mir lief es dann wenigstens, aber jetzt geht es schon wieder los mit der Schlamperei. Weil er, der Arme, ständig abgelenkt wird. So ein Früchtchen. Ich war immerhin in der Mittelstufe, als ich mit solchen Geschichten ankam – aber dafür kenne ich alle Tricks, das wird noch ein heißer Showdown. Herrje.

Dann aber wiederum wehe, sie sind an einer Brennnessel entlanggestreift oder haben sich das Knie beim Fußball aufgeschürft. Dann darf ich wieder mütterlich zum Einsatz kommen und trösten und knuddeln. Und auf jeden noch so mikroskopischen Kratzer ein Pflaster kleben, zumindest beim einen. Dem anderen darf keiner zu nahe an die Wunde kommen. Allerdings, um ehrlich zu sein, verdrehe ich dann heimlich hinter ihrem Rücken die Augen, weil sie so… nun ja… zimperlich sind.

Und nachdem ich sie jetzt gefühlt zum zwanzigsten Mal aufgefordert habe, sich „bettfein“ zu machen, sie mich aber bisher super ignoriert haben, muss ich jetzt leider hier abbrechen und Konsequenzen folgen lassen. Juhu. Nicht.

Habt ihr wenigstens einen schönen Abend!

Oh Mexiko! Part II – México City

Bin ich schnell?! Damit hätte ich ja selbst nicht gerechnet. Aber momentan ist bei uns so viel los und raubt mir die Zeit, ohne mir etwas zurückzugeben, dass ich diese kleine Alltagsflucht hier einfach genieße. Ein bisschen kreativ sein, noch einmal in Erinnerungen schwelgen und vom sonstigen Stress abschalten. Der Mini mit den Schlafstörungen hatte gestern einen kleinen Nervenzusammenbruch, als ich um halb 8 sagte, dass sie sich langsam bettfein machen sollten – „Neiiiiiiin! Waruuuuum?! Ich habe noch gar keinen Tag gehabt! Immer nur Schule und Hausaufgaben und blödes Fußballtraining! Mein Leben ist so blööööd, nie darf ich mal leeeeeben.“ Schluchz. Ich konnte das so verdammt gut nachvollziehen. Ich habe momentan auch nie Tage. Mitschluchz.

Jedenfalls kann ich mich jetzt nicht nur mit meiner Lebensoptimierung, sondern auch mit der der Jungs beschäftigen. Es stapeln sich schon die Ratgeber, aber nachdem ich nicht optimiert bin, habe ich dafür leider auch keine Zeit. Blöd.

Aber in Zeiten des Self-Care-Hypes überall wird das irgendwie schon noch werden.

Wo war ich? Ach ja. Mexiko.

México City ist riesig, die Stadt selbst hat fast neun Millionen Einwohner und die Metropolregion ist die höchstbevölkerte der Westhalbkugel. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. Was mich an Mexiko generell fasziniert hat, war die Ausstrahlung der Menschen, immer freundlich, fröhlich, gutgelaunt. Das hat so gut getan.

Mit Englisch kommt man oft nicht sehr weit, was mich ein bisschen überrascht hat, aber spanisches Radebrechen funktioniert sehr gut. Die Minis haben sich ebenfalls Mühe gegeben und fordern mich auch jetzt noch auf „Mama, du musst ‚de nada‘ sagen“, nachdem sie sich mit „gracias“ bedankt haben.

Das Essen in der Stadt unterscheidet sich deutlich vom gehobenen Tulum, ist bodenständiger, fettiger, derber, richtige Hausmannskost – zumindest in den Restaurants, in den wir waren. Interessant war, dass wir sehr aufgefallen sind, egal, wo wir waren. Die Menschen haben sich teilweise nach uns umgedreht oder uns nachgesehen, auch in den Restaurants.

Unser Hotel war direkt am Plaza de la Constitucion gelegen, das Gran Hotel Ciudad de México – in dem auch der Auftakt zu James Bonds „Spectre“ gedreht wurde. Wir konnten denselben Aufzug wie Daniel Craig benutzen und die Jungs durften ihn dank des so netten Portiers sogar, wie anno dazumal, mit einer Kurbel bedienen. Natürlich haben sie dann auch gleich James‘ Zimmer gesucht und – Überraschung! – nicht gefunden. Es gibt kein Zimmer 327. Sowas.

Und trotz dieser prominenten Lage gegenüber des Präsidentenpalasts und der Kathedrale sollte man vermutlich nicht nach Einbruch der Dämmerung das Hotel verlassen. Die Polizeipräsenz ist zwar enorm hoch, aber die Bevölkerung traut dieser wohl auch nicht. Bei uns war es nicht so, dass ich mich irgendwann bedroht gefühlt hätte, aber es liefen doch auch einige finstere Gestalten mit Gesichtstattoos und Kampfhunden herum. Fotografieren mit der Kamera traute ich mich nicht so recht und mein Handy hatte ich in meinen Hosenbund gesteckt, nachdem dem Gatten nebst Kollegen zu einem anderen Zeitpunkt in Mexico City bereits die Handys und Geld geklaut wurden.

Insofern gibt es hier leider nur Bilder, die ich schnell zwischendurch geschossen oder vom Sightseeing-Bus aus gemacht habe.

Dem ganz wunderbar morbiden Charme der Stadt werden sie leider überhaupt nicht gerecht, es gab so viel mehr zu sehen.

Das Highlight dieses Trips war allerdings die… Ballonfahrt!! Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich mich dazu habe hinreißen lassen. Ganz freiwillig.

Nachdem die Riviera Maya ganz und gar nicht günstig ist, sondern im Gegenteil, recht europäische, um nicht zu sagen: Münchner, Preise hat, beschlossen wir, dass wir keines der angebotenen Tourispektakel wie Xcaret mitmachen, sondern das Geld in eine Ballonfahrt in Mexico City stecken würden. Und was kann ich sagen? Es hat sich so wahnsinnig gelohnt.

Wir wurden ziemlich früh im Hotel abgeholt und mit einem Kleinbus und anderen Touristen nach Teotihuacan zu den Pyramiden gefahren, wo die Ballons pünktlich zum Sonnenaufgang in den Himmel aufstiegen.

Ich hatte bis zum Start jeglichen Gedanken an das Fliegen unterdrückt, weil… Höhen- und Flugangst in einem Heißluftballon nicht so besonders gut passen. Als wir dann in den Korb geklettert sind, war ich doch ein bisschen außer mir und als sich herausstellte, dass unser Ballonführer der „Jefe“ und ein, in meinen Augen, ziemlicher Draufgänger war, hätte ich mich am liebsten auf dem Boden zusammengekauert – wir sind nach dem Start auf Baumhöhe etwa ein, zwei Kilometer Richtung Sonnenpyramide geschwebt, um dann wirklich direkt an der Kante des Bauwerks nach oben aufzusteigen. Ich konnte nicht wegsehen, hätte aber gleichzeitig am liebsten geschrien. Habe mich tapfer aufs Oh-Gott-Murmeln beschränkt. Der Ausblick war trotzdem der Wahnsinn.

Bis mir eingefallen ist, dass wir ja auch irgendwie wieder runter kommen müssen… zwischen lauter Kakteenfeldern. Ächz. Ich habe mich mental auf eine Art kontrollierten Absturz vorbereitet, ähnlich wie mit einem Fallschirm, aber er landete uns butterweich auf (!!) dem zum Rücktransport vorgesehenen Anhänger. Ganz großer Respekt.

Alles in allem war es ein fantastischer, aber leider zu kurzer Urlaub. Mexico bietet so viel, dass man eigentlich eine mehrwöchige Rundreise unternehmen müsste, um einen vernünftigen Eindruck zu bekommen. Irgendwann schaffen wir das vielleicht auch.

Das Problem an der Reiserei ist nur, dass man, je mehr man von der Welt sieht, zu den meisten Orten noch einmal zurückkehren möchte – und die Liste der Noch-sehen-wollen-Reiseziele leider auch nicht kleiner wird. Jedenfalls geht es uns so.

Um mit den schönen, so passenden Worten von Susan Sontag zu schließen:

„I haven’t been everywhere but it’s on my list“

Oh Mexiko! Part I – Yucatan

Wir sind seit knapp drei Wochen zurück und der Alltag hat uns schon wieder so fest in der Hand, dass die Urlaubsnachwirkungen und Erinnerungen schon beinahe komplett verblasst sind. Wie unschön.

Das eine Kind hat anscheinend ein Alltagstrauma (Urlaub ist deutlich besser) davongetragen und steht seit zweieinhalb Wochen jede Nacht – mehrfach – in unserer Schlafzimmertür mit den Worten „Meine Augen gehen immer wieder auf“. Das macht mich ein bisschen wahnsinnig. Okay, sehr. Und das Doofe ist: ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Braucht er einfach mehr Nähe? Aber wieso ausgerechnet nachts? Oder gewöhnt er sich gerade etwas an, wenn ich ihm erlaube, zu bleiben – und das bleibt mir dann die nächsten zehn Jahre erhalten? Wahhh. Fiese Vorstellung.

Jedenfalls denke ich mir, angesichts dieser Rückkehr in den Alltag, dass ich wohl besser schnell die schönen Urlaubsmomente schriftlich festhalten sollte, bevor sie denn endgültig auf und davon sind…

Wir sind über México City nach Cancun geflogen und von dort mit dem Mietwagen Richtung Tulum, genauer gesagt: nach Akumal, aufgebrochen.

Kaum im Resort nach wahrscheinlich über 20 Stunden Anreise angekommen, fängt es zu regnen an und wir bekommen die Mitteilung, dass unser Zimmer leider erst in 4 Stunden fertig sein wird.

Leicht verzweifelt machten wir uns also auf die Suche nach Mittagessen und landeten am Fun-Pool eines der weiteren Hotels auf dem Gelände. Den fun konnte man nicht übersehen, hunderte von Menschen im Wasser (interessanterweise trotz Gewitter, aber vielleicht ist ja der Nervenkitzel, ob man vom Blitz getroffen wird, Teil des funs gewesen…), Kindergeschrei, bunte Rutschen, ein sehr amerikanisches Buffet mit Pancakes, Burgern und Pommes, Halbnackte beim Essen und generell ein ziemliches Chaos. Die Jungs waren folglich völlig begeistert – und ich verstört, was ich aber brav für mich behalten und nur innerlich geweint habe.

Nach dem, für mich (und den Gatten, wie er am nächsten Abend zugab), irritierenden Auftakt in den Urlaub ging es aber steil bergauf. Unser Teil des Hotels war deutlich weniger… sagen wir mal „lebhaft“ als dieser andere Bereich, den Fun-Pool fanden die Jungs nach einer halben Stunde langweilig und wir hatten unseren Mietwagen, um dem ganzen Resort zu entkommen. Was wir auch ausgiebig gemacht haben.

Und es gibt so wahnsinnig viel zu sehen… die Cenoten haben es mir besonders angetan: mit Süßwasser gefüllte Höhlen in allen Varianten, wie Seen an der Oberfläche, tief unter der Erde, völlig abgeschlossen oder teilweise zum Tageslicht offen. Wobei die ganz unter der Erde absolut nicht mein Ding war – man musste weit hinabsteigen, es war, von ein paar Lampen abgesehen, ziemlich finster, modriger Geruch und pechschwarzes Wasser. Weil ich aber durchaus ganz schön heldenhaft sein kann, habe ich mich tatsächlich mit Tauchermaske zu den Fischen hineinbegeben. Allerdings nicht lange… wenn man eine blühende Fantasie und genug Bücher und Filme über Höhlenmonster gelesen und gesehen hat, gibt das durchaus ganz schön Puls. Das Wasser ist zwar völlig klar, aber man kann oft die Ausmaße der Höhle gar nicht einschätzen, weil sich weitere Gänge und Höhlen ins Unendliche öffnen. Wer weiß, was da so alles wohnt.

Dann doch lieber sonnenlichtdurchflutet und mit hunderten von Fischen, die allesamt wenig scheu waren und einen teilweise auch angeknabbert haben. Hatten wir einen Spaß, jedenfalls nach kurzer Gewöhnungsphase. Als ich das eine Kind endlich überredet hatte, dass es toll ist und er sich die Fische unbedingt ansehen muss, konnte ich ihn unter Wasser in der Tauchermaske noch brüllen hören, als ihn der erste Fisch berührt hat. Hihi. Er hat es un-traumatisiert überstanden (das war übrigens nicht der mit den Schlafstörungen).

Aus tiefen Höhlen geht es hoch hinaus auf Maya Pyramiden, von denen es wirklich einige zu entdecken gibt. Wir haben uns aus Zeitgründen gegen Chichen Itza und für Coba entschieden. Diese Ruinen liegen versteckt im Dschungel, mit dem Auto kommt man nur bis zu einem großen Parkplatz und muss danach zu Fuß weiter – oder mit dem Leih-Rad, was wir gemacht haben und was ein Heidenspaß war. Die Räder sind uralt, völlig verrostet und verbogen, lassen sich kaum lenken, geschweige denn bremsen. Also sind wir im Schneckentempo die Runde langgeeiert, unter „Achtung, ich komme von hinten und kann nicht bremsen„-Schreien, die Füße am Boden schleifend. Letzteres für uns hochgewachsene Europäer übrigens kein Problem.

Tulum selbst (man muss unterscheiden zwischen Tulum Pueblo und der Beach Road, die über viele Kilometer am Strand entlangführt – in unserem Fall meine ich die Straße) hat mich zunächst etwas verschreckt (ich habe am ersten Tag bereits jegliches Schminken aufgegeben, hatte fast ausschließlich ein einziges Kleid an, das möglichst wenig Stoff an sich hatte, auch über nasse Bikinis angezogen werden konnte und meine Haare waren in einen, von dem Cenoten-Getauche ständig nassen Zopf gebunden), weil es wahnsinnig touristisch und super hip ist. Überall sieht man die Instagrammer in Pose geworfen, alle sind durchgestylt und furchtbar cool. Außerdem herrscht ziemliches Verkehrschaos, man kommt nur langsam voran. Nach der ersten, unmittelbaren Abneigung kam dann aber doch so etwas wie Begeisterung auf. Die Läden und Bars entlang der Straße sind so liebevoll hergerichtet, die Straße selbst ist von Palmen und Dschungel beschattet und man kann sich nicht sattsehen an den hübschen Details. Leider ist Anhalten mit dem Auto nahezu unmöglich. Wir haben einen kurzen Stop für eine Runde Eis (sensationell) und an einem Abend auch einen Restaurantbesuch eingelegt, weil davor gerade eine Parklücke auf der Straße frei wurde. Enttäuscht wurden wir aber nicht, in der Gegend scheint einfach jegliches Essen gut zu sein. Und geschmacklich werden einem wirklich neue Welten eröffnet. An dieser Stelle muss ich euch das Ka’an nahelegen, mir hat es bei unserem ersten Besuch wirklich den Atem geraubt. Wenn man der Beach Road bis ans Ende folgt, kommt man an den Eingang zu einem Naturreservat bzw. Nationalpark, Sian Ka’an. Links das Meer, rechts eine wunderbare Lagune (übrigens mit Krokos, wie wir festgestellt haben. Und zwar großen.) Von dort sind es noch einige Kilometer Fahrt auf einer holprigen Sandstraße, bis man bei dem Strandrestaurant Ka’an ankommt – Loungemöbel unter freiem Himmel, eine Bar, Essen ausschließlich über dem Feuer zubereitet und lokale Zutaten. Eine einmalige Erfahrung.

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Teil zwei über México City folgt in hoffentlich annehmbarer Zeit. Sage ich jetzt mal…

Und gleich nochmal: London.

So gut, dass es nach 8 Wochen direkt noch einmal geht. Und wenn ich das mal so sagen darf: diesen Rhythmus würde ich für das restliche Jahr ganz gerne beibehalten wollen. Ich bekomme nicht genug von London. Dieses Mal ohne Mann und Kinder, sondern mit Mama – also in eine völlig andere Richtung. Der Schwerpunkt lag eher bei Sightseeing, gutem Essen und Schaufensterbummeln (wortwörtlich, weil die meisten Geschäfte sonntags erst gegen 12 Uhr aufgemacht haben).

Was kann ich empfehlen?

Auf jeden Fall die tolle Aussicht aus dem 10. Stock des Blavatnik Buildings der Tate Modern. Der Aufstieg könnte sportlich sein, da es bei uns so voll war, dass man ewig auf einen Lift hätte warten müssen, also sind wir zu Fuß hoch. Die Anstrengung lohnt sich aber wirklich. Und kostenlos ist es auch noch, wie auch der Besuch der regulären Tate-Ausstellungen. Außerdem haben die Museumsshops oft ausgefallene Kleinigkeiten als Mitbringsel oder Geschenkideen.

Die zweite, nicht so bekannte Aussichtsplattform haben wir auf dem Dach der One New Change Mall direkt neben der St. Paul’s Cathedral entdeckt. Man kann mit dem Aufzug direkt hochfahren und hat einen sensationellen Blick auf die Kathedrale.

Ansonsten, natürlich, Notting Hill. Ich habe Teile des Tagesausflugs von Steffi von Ohhh Mhhh schamlos abgekupfert: das Frühstück bei Granger’s – die Ricotta Hotcakes, herrje, waren die gut, der Bummel zu Sézane – ich habe schon länger eine Tasche von ihnen und bin in die nächste ganz verliebt (Achtung, sind online in Euro billiger als in UK), die Nase plattdrücken bei Goop (leider alles zu, siehe Anmerkung zu den Öffnungszeiten oben), die wunderschöne Auslage bei Daylesford Organic…

Mittagessen haben wir uns aus der Food Hall bei Selfridges mitgenommen, weil das Wetter dann doch zu unangenehm war, um einen Portobello-Road-Bummel auch nur in Erwägung zu ziehen.

Sehr empfehlenswert finde ich auch die tollen kleinen oder größeren Märkte: der Borough Market, der Maltby Street Market, der Old Spitalfields Market, Sunday Upmarket und Brick Lane Market. Die Letzteren sind alle dicht beieinander. Und das Viertel ist allemal sehenswert. Und an der Kreuzung Commercial St/Lamb St gibt es einen „DECIEM“-Laden mit, unter anderem, Produkten von The Ordinary. Die kleinen Fläschchen haben sogar noch ins Handgepäck gepasst und meine Haut freut sich über den Feuchtigkeitsboost dank Serum und Make-up.

Abends waren wir einmal beim Inder in Covent Garden, Masala Zone, einer Kette, der bei fast jedem Londonbesuch Pflicht ist und noch nie enttäuscht hat, und bei Natural Kitchen, ebenfalls eine Kette, wie schon im Januar mit den Kindern. Dieses Mal allerdings in St. Katherine Docks, was ich vorher auch nicht kannte. Es war dunkel und stürmisch, aber ich denke, der kleine Hafen hat tagsüber sogar noch mehr Charme.

Nachdem ich den Post jetzt seit 4 Wochen „bearbeite“ (sprich: eigentlich fertig, aber vergessen habe, ihn zu posten), spare ich mir glorreiche Abschlussworte, bevor es dann nochmal Tage dauert, und klicke auf Veröffentlichen. So.

Habt ein schönes Wochenende!

Ein guter Start ins Jahr – in London.

London geht ja bekanntlich immer. Und nachdem wir es im letzten Jahr, warum auch immer, nicht geschafft haben, waren die Minis und ich uns einig, dass wir das neue Jahr doch ziemlich gerne in London starten würden – und sind am 2. Januar spontan zu Dritt hingeflogen. Dieses Mal habe ich als Ausgangspunkt ein Hotel am Tower Hill gewählt (sonst waren wir immer eher Richtung Covent Garden orientiert) und war angenehm überrascht, wie gut doch die Lage ist. Den London Pass haben wir uns dazugeleistet, lohnt sich schon nach 3-4 Sehenswürdigkeiten, wenn man auch Gebrauch von den Hop-on-hop-off-Touren macht. Sehr gut fand ich übrigens auch, dass man statt Oyster Card oder Papiertickets einfach mit der Kreditkarte kontaktlos bei den Öffentlichen zahlen kann (funktioniert dann wie mit der Oyster Card, einfach den Kartenleser berühren). Wir haben uns die Shard angesehen, was den Jungs am besten gefiel, die Tower Bridge mit dem Glasboden, durch den man die Brücke darunter sehen kann, wir waren in der London Bridge Experience, was ich ziemlich schnell bereut habe, weil es doch ziemlich gruselig und blutig ist (Gott sei Dank sprechen die Jungs kein Englisch, es ging um die Vergangenheit von London mit Bränden, Pest und Jack the Ripper), obwohl wir den Zombie-Teil, natürlich trotzdem zum Missfallen der Minis, ausgelassen haben. Danach waren sie erst einmal, nun ja, etwas ruhiger… vielleicht auch unter Schock stehend. Wer seine Kinder also nachhaltig beeindrucken und schocken möchte, dem kann ich diese Tour nur empfehlen. Ich habe meine zur Aufmunterung erst einmal mit Crêpes bei „Creme de la Crêpe“ versorgt, danach ging es wieder. Wir mussten zu Primark an der Oxford Street (hat eine eigene HP-Abteilung), um ihnen die langersehnten Harry-Potter-Umhänge zu kaufen und sind natürlich mit den Doppeldeckerbussen gefahren.

Leadenhall Market lag um die Ecke vom Hotel, ist auch sehr sehenswert. Und natürlich durfte ein Bummel über den Borough Market zum Mittagessen ebenfalls nicht fehlen. Abends waren wir im Wagamama, wie immer, und am zweiten Abend bei Natural Kitchen, was mich wirklich begeistert hat. Superlecker.

Singapur. Yay.

Hiermit liegt die Latte für alle weiteren Ferien doch ziemlich hoch. Ich meine, wer kann schon sagen, dass er seine allerersten Schulferien mit ein paar Tagen in Singapur verbracht hat?!

Die Idee dafür kam vom Gatten, der Singapur beruflich gut kennt und der Meinung war, dass es als „Asieneinstieg“ und vor allem mit Kindern perfekt geeignet ist. Kann ich tatsächlich auch nur so unterschreiben. Beide Flüge gingen jeweils durch die Nacht und die Zeitverschiebung haben die Jungs großartig gemeistert, es war ihnen nichts anzumerken. Wir haben in unseren 5 Tagen vor Ort lange ausgeschlafen und sind dementsprechend auch erst nach Mitternacht ins Bett, was sich allerdings lohnt, weil ich die Stadt nach Einbruch der Dunkelheit erst wirklich schön fand. Alles ist bunt erleuchtet, es gibt Light- und Lasershows und es ist Leben auf den Straßen.

Essen waren wir fast ausschließlich auf den Street Food Märkten und Hawker Centres wie Lau Pa Sat (Telok Ayer Market). Dort ist die Atmosphäre einfach toll – man stelle sich eine abgesperrte Straße vor, wackelige Klapptische und behelfsmäßige Hocker zwischen Wolkenkratzern, eine fröhliche Menschenmischung aus allen Ländern, das Ganze durchzogen von Räucherschwaden und Essensgerüchen, dazu der nette alte Herr, der Feuchttücher verkauft (bitter nötig bei Fingerfood mit Kindern) – und das Essen gut und günstig. Die Saté-Spieße von Stand 7 & 8 sind anscheinend legendär, aber das schreiben sie auch selbst.

Singapur ist unfassbar teuer, auch nach Tagen bin ich immer wieder zusammengezuckt, wenn ich Preise gesehen habe – völlig egal, um was es sich handelte. Mein Highlight war die Tüte Gummibärchen, die das eine Kind bei unserer Fuß-Knabber-Fisch-Wette (im Hotel gab es einen Teich, an dessen Rand Sitzkissen ausgelegt waren und in den man seine Füße hängen konnte, die dann dort von kleinen Fischen beknabbert wurden. Ich hatte nachmittags Leute gesehen, die dort völlig entspannt saßen und Zeitung lasen, aber ich kann euch sagen, dass es un-er-träg-lich ist. Keine Ahnung, wie sie es gemacht haben, ich bin nach ein paar Sekunden jedenfalls fast geplatzt und hätte schreien müssen, wenn ich die Füße nicht aus dem Wasser gezogen hätte. Aber zurück zu den Gummibärchen.) gewonnen hatte: stinknormale Gummibärchen in einem stinknormalen Laden. Für horrende 10 Euro, umgerechnet. An der Kasse erst festgestellt, dann aber postwendend ins Regal zurückgelegt. Sogar das Gewinnerkind konnte ansatzweise verstehen, dass die Auszahlung des Siegerpreises eventuell noch bis zur Rückkehr nach Deutschland würde warten müssen.

Ansonsten haben wir die Tage überwiegend kindgerecht verbracht, die ersten zwei Nächte auf Sentosa Island, einer künstlich aufgeschütteten Insel direkt vor der Stadt, auf der sich Strände, Wasserspielplätze und natürlich auch die Universal Studios befinden. Haben wir alles abgehakt, vor allem den Wasserspielplatz fand ich genial. Strand geht nicht besonders gut, weil es einfach zu heiß ist, der Sand glüht und die Wassertemperatur liegt bei knapp unter 28 Grad. Generell bin ich kein Fan tropischer Temperaturen mit so hoher Luftfeuchtigkeit, ich kann mir nicht erklären, wie die Asiatinnen es schaffen, dabei wie aus dem Ei gepellt auszusehen. Ich jedenfalls hatte nur noch weite Kleider mit möglichst wenig Stoff an und habe auf Schminke komplett verzichtet, weil nach fünf Minuten sowieso alles davongeronnen wäre.

Im Botanischen Garten (die tropische Vegetation ist so faszinierend, es strotzt nur so vor Grün und wuchert überall) und im Zoo (etwas außerhalb) waren wir auch. Es hat ausgiebig geregnet, aber wenn man sich damit erst einmal abgefunden hat, stört die Feuchtigkeit nicht weiter. Was ich in diesem Zusammenhang sehr interessant fand: in Singapur riecht es unglaublich gut. Die ganze Stadt duftet. Keine Ahnung, wie sie das hinbekommen, man sollte meinen, dass Modergeruch überall präsent wäre, aber nein.

Mein Fazit zu Singapur: es ist interessant und nach Einbruch der Dämmerung wirklich schön anzusehen, ich fand es persönlich allerdings eher… nicht direkt enttäuschend, aber zu wenig asiatisch. Wobei man das bei der Menschenmischung auch fast nicht erwarten kann. Es war eben sehr westlich. Shoppingcenter, Einkaufsmeilen, Restaurantketten, Wolkenkratzer… es hätte beinahe auch irgendwo in den USA sein können, wenn da nicht diese irre Pflanzenvielfalt überall zu sehen gewesen wäre. Gesehen haben sollte man es aber auf jeden Fall, wenn man die Gelegenheit hat.