Oh Mexiko! Part II – México City

Bin ich schnell?! Damit hätte ich ja selbst nicht gerechnet. Aber momentan ist bei uns so viel los und raubt mir die Zeit, ohne mir etwas zurückzugeben, dass ich diese kleine Alltagsflucht hier einfach genieße. Ein bisschen kreativ sein, noch einmal in Erinnerungen schwelgen und vom sonstigen Stress abschalten. Der Mini mit den Schlafstörungen hatte gestern einen kleinen Nervenzusammenbruch, als ich um halb 8 sagte, dass sie sich langsam bettfein machen sollten – „Neiiiiiiin! Waruuuuum?! Ich habe noch gar keinen Tag gehabt! Immer nur Schule und Hausaufgaben und blödes Fußballtraining! Mein Leben ist so blööööd, nie darf ich mal leeeeeben.“ Schluchz. Ich konnte das so verdammt gut nachvollziehen. Ich habe momentan auch nie Tage. Mitschluchz.

Jedenfalls kann ich mich jetzt nicht nur mit meiner Lebensoptimierung, sondern auch mit der der Jungs beschäftigen. Es stapeln sich schon die Ratgeber, aber nachdem ich nicht optimiert bin, habe ich dafür leider auch keine Zeit. Blöd.

Aber in Zeiten des Self-Care-Hypes überall wird das irgendwie schon noch werden.

Wo war ich? Ach ja. Mexiko.

México City ist riesig, die Stadt selbst hat fast neun Millionen Einwohner und die Metropolregion ist die höchstbevölkerte der Westhalbkugel. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. Was mich an Mexiko generell fasziniert hat, war die Ausstrahlung der Menschen, immer freundlich, fröhlich, gutgelaunt. Das hat so gut getan.

Mit Englisch kommt man oft nicht sehr weit, was mich ein bisschen überrascht hat, aber spanisches Radebrechen funktioniert sehr gut. Die Minis haben sich ebenfalls Mühe gegeben und fordern mich auch jetzt noch auf „Mama, du musst ‚de nada‘ sagen“, nachdem sie sich mit „gracias“ bedankt haben.

Das Essen in der Stadt unterscheidet sich deutlich vom gehobenen Tulum, ist bodenständiger, fettiger, derber, richtige Hausmannskost – zumindest in den Restaurants, in den wir waren. Interessant war, dass wir sehr aufgefallen sind, egal, wo wir waren. Die Menschen haben sich teilweise nach uns umgedreht oder uns nachgesehen, auch in den Restaurants.

Unser Hotel war direkt am Plaza de la Constitucion gelegen, das Gran Hotel Ciudad de México – in dem auch der Auftakt zu James Bonds „Spectre“ gedreht wurde. Wir konnten denselben Aufzug wie Daniel Craig benutzen und die Jungs durften ihn dank des so netten Portiers sogar, wie anno dazumal, mit einer Kurbel bedienen. Natürlich haben sie dann auch gleich James‘ Zimmer gesucht und – Überraschung! – nicht gefunden. Es gibt kein Zimmer 327. Sowas.

Und trotz dieser prominenten Lage gegenüber des Präsidentenpalasts und der Kathedrale sollte man vermutlich nicht nach Einbruch der Dämmerung das Hotel verlassen. Die Polizeipräsenz ist zwar enorm hoch, aber die Bevölkerung traut dieser wohl auch nicht. Bei uns war es nicht so, dass ich mich irgendwann bedroht gefühlt hätte, aber es liefen doch auch einige finstere Gestalten mit Gesichtstattoos und Kampfhunden herum. Fotografieren mit der Kamera traute ich mich nicht so recht und mein Handy hatte ich in meinen Hosenbund gesteckt, nachdem dem Gatten nebst Kollegen zu einem anderen Zeitpunkt in Mexico City bereits die Handys und Geld geklaut wurden.

Insofern gibt es hier leider nur Bilder, die ich schnell zwischendurch geschossen oder vom Sightseeing-Bus aus gemacht habe.

Dem ganz wunderbar morbiden Charme der Stadt werden sie leider überhaupt nicht gerecht, es gab so viel mehr zu sehen.

Das Highlight dieses Trips war allerdings die… Ballonfahrt!! Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich mich dazu habe hinreißen lassen. Ganz freiwillig.

Nachdem die Riviera Maya ganz und gar nicht günstig ist, sondern im Gegenteil, recht europäische, um nicht zu sagen: Münchner, Preise hat, beschlossen wir, dass wir keines der angebotenen Tourispektakel wie Xcaret mitmachen, sondern das Geld in eine Ballonfahrt in Mexico City stecken würden. Und was kann ich sagen? Es hat sich so wahnsinnig gelohnt.

Wir wurden ziemlich früh im Hotel abgeholt und mit einem Kleinbus und anderen Touristen nach Teotihuacan zu den Pyramiden gefahren, wo die Ballons pünktlich zum Sonnenaufgang in den Himmel aufstiegen.

Ich hatte bis zum Start jeglichen Gedanken an das Fliegen unterdrückt, weil… Höhen- und Flugangst in einem Heißluftballon nicht so besonders gut passen. Als wir dann in den Korb geklettert sind, war ich doch ein bisschen außer mir und als sich herausstellte, dass unser Ballonführer der „Jefe“ und ein, in meinen Augen, ziemlicher Draufgänger war, hätte ich mich am liebsten auf dem Boden zusammengekauert – wir sind nach dem Start auf Baumhöhe etwa ein, zwei Kilometer Richtung Sonnenpyramide geschwebt, um dann wirklich direkt an der Kante des Bauwerks nach oben aufzusteigen. Ich konnte nicht wegsehen, hätte aber gleichzeitig am liebsten geschrien. Habe mich tapfer aufs Oh-Gott-Murmeln beschränkt. Der Ausblick war trotzdem der Wahnsinn.

Bis mir eingefallen ist, dass wir ja auch irgendwie wieder runter kommen müssen… zwischen lauter Kakteenfeldern. Ächz. Ich habe mich mental auf eine Art kontrollierten Absturz vorbereitet, ähnlich wie mit einem Fallschirm, aber er landete uns butterweich auf (!!) dem zum Rücktransport vorgesehenen Anhänger. Ganz großer Respekt.

Alles in allem war es ein fantastischer, aber leider zu kurzer Urlaub. Mexico bietet so viel, dass man eigentlich eine mehrwöchige Rundreise unternehmen müsste, um einen vernünftigen Eindruck zu bekommen. Irgendwann schaffen wir das vielleicht auch.

Das Problem an der Reiserei ist nur, dass man, je mehr man von der Welt sieht, zu den meisten Orten noch einmal zurückkehren möchte – und die Liste der Noch-sehen-wollen-Reiseziele leider auch nicht kleiner wird. Jedenfalls geht es uns so.

Um mit den schönen, so passenden Worten von Susan Sontag zu schließen:

„I haven’t been everywhere but it’s on my list“

Oh Mexiko! Part I – Yucatan

Wir sind seit knapp drei Wochen zurück und der Alltag hat uns schon wieder so fest in der Hand, dass die Urlaubsnachwirkungen und Erinnerungen schon beinahe komplett verblasst sind. Wie unschön.

Das eine Kind hat anscheinend ein Alltagstrauma (Urlaub ist deutlich besser) davongetragen und steht seit zweieinhalb Wochen jede Nacht – mehrfach – in unserer Schlafzimmertür mit den Worten „Meine Augen gehen immer wieder auf“. Das macht mich ein bisschen wahnsinnig. Okay, sehr. Und das Doofe ist: ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Braucht er einfach mehr Nähe? Aber wieso ausgerechnet nachts? Oder gewöhnt er sich gerade etwas an, wenn ich ihm erlaube, zu bleiben – und das bleibt mir dann die nächsten zehn Jahre erhalten? Wahhh. Fiese Vorstellung.

Jedenfalls denke ich mir, angesichts dieser Rückkehr in den Alltag, dass ich wohl besser schnell die schönen Urlaubsmomente schriftlich festhalten sollte, bevor sie denn endgültig auf und davon sind…

Wir sind über México City nach Cancun geflogen und von dort mit dem Mietwagen Richtung Tulum, genauer gesagt: nach Akumal, aufgebrochen.

Kaum im Resort nach wahrscheinlich über 20 Stunden Anreise angekommen, fängt es zu regnen an und wir bekommen die Mitteilung, dass unser Zimmer leider erst in 4 Stunden fertig sein wird.

Leicht verzweifelt machten wir uns also auf die Suche nach Mittagessen und landeten am Fun-Pool eines der weiteren Hotels auf dem Gelände. Den fun konnte man nicht übersehen, hunderte von Menschen im Wasser (interessanterweise trotz Gewitter, aber vielleicht ist ja der Nervenkitzel, ob man vom Blitz getroffen wird, Teil des funs gewesen…), Kindergeschrei, bunte Rutschen, ein sehr amerikanisches Buffet mit Pancakes, Burgern und Pommes, Halbnackte beim Essen und generell ein ziemliches Chaos. Die Jungs waren folglich völlig begeistert – und ich verstört, was ich aber brav für mich behalten und nur innerlich geweint habe.

Nach dem, für mich (und den Gatten, wie er am nächsten Abend zugab), irritierenden Auftakt in den Urlaub ging es aber steil bergauf. Unser Teil des Hotels war deutlich weniger… sagen wir mal „lebhaft“ als dieser andere Bereich, den Fun-Pool fanden die Jungs nach einer halben Stunde langweilig und wir hatten unseren Mietwagen, um dem ganzen Resort zu entkommen. Was wir auch ausgiebig gemacht haben.

Und es gibt so wahnsinnig viel zu sehen… die Cenoten haben es mir besonders angetan: mit Süßwasser gefüllte Höhlen in allen Varianten, wie Seen an der Oberfläche, tief unter der Erde, völlig abgeschlossen oder teilweise zum Tageslicht offen. Wobei die ganz unter der Erde absolut nicht mein Ding war – man musste weit hinabsteigen, es war, von ein paar Lampen abgesehen, ziemlich finster, modriger Geruch und pechschwarzes Wasser. Weil ich aber durchaus ganz schön heldenhaft sein kann, habe ich mich tatsächlich mit Tauchermaske zu den Fischen hineinbegeben. Allerdings nicht lange… wenn man eine blühende Fantasie und genug Bücher und Filme über Höhlenmonster gelesen und gesehen hat, gibt das durchaus ganz schön Puls. Das Wasser ist zwar völlig klar, aber man kann oft die Ausmaße der Höhle gar nicht einschätzen, weil sich weitere Gänge und Höhlen ins Unendliche öffnen. Wer weiß, was da so alles wohnt.

Dann doch lieber sonnenlichtdurchflutet und mit hunderten von Fischen, die allesamt wenig scheu waren und einen teilweise auch angeknabbert haben. Hatten wir einen Spaß, jedenfalls nach kurzer Gewöhnungsphase. Als ich das eine Kind endlich überredet hatte, dass es toll ist und er sich die Fische unbedingt ansehen muss, konnte ich ihn unter Wasser in der Tauchermaske noch brüllen hören, als ihn der erste Fisch berührt hat. Hihi. Er hat es un-traumatisiert überstanden (das war übrigens nicht der mit den Schlafstörungen).

Aus tiefen Höhlen geht es hoch hinaus auf Maya Pyramiden, von denen es wirklich einige zu entdecken gibt. Wir haben uns aus Zeitgründen gegen Chichen Itza und für Coba entschieden. Diese Ruinen liegen versteckt im Dschungel, mit dem Auto kommt man nur bis zu einem großen Parkplatz und muss danach zu Fuß weiter – oder mit dem Leih-Rad, was wir gemacht haben und was ein Heidenspaß war. Die Räder sind uralt, völlig verrostet und verbogen, lassen sich kaum lenken, geschweige denn bremsen. Also sind wir im Schneckentempo die Runde langgeeiert, unter „Achtung, ich komme von hinten und kann nicht bremsen„-Schreien, die Füße am Boden schleifend. Letzteres für uns hochgewachsene Europäer übrigens kein Problem.

Tulum selbst (man muss unterscheiden zwischen Tulum Pueblo und der Beach Road, die über viele Kilometer am Strand entlangführt – in unserem Fall meine ich die Straße) hat mich zunächst etwas verschreckt (ich habe am ersten Tag bereits jegliches Schminken aufgegeben, hatte fast ausschließlich ein einziges Kleid an, das möglichst wenig Stoff an sich hatte, auch über nasse Bikinis angezogen werden konnte und meine Haare waren in einen, von dem Cenoten-Getauche ständig nassen Zopf gebunden), weil es wahnsinnig touristisch und super hip ist. Überall sieht man die Instagrammer in Pose geworfen, alle sind durchgestylt und furchtbar cool. Außerdem herrscht ziemliches Verkehrschaos, man kommt nur langsam voran. Nach der ersten, unmittelbaren Abneigung kam dann aber doch so etwas wie Begeisterung auf. Die Läden und Bars entlang der Straße sind so liebevoll hergerichtet, die Straße selbst ist von Palmen und Dschungel beschattet und man kann sich nicht sattsehen an den hübschen Details. Leider ist Anhalten mit dem Auto nahezu unmöglich. Wir haben einen kurzen Stop für eine Runde Eis (sensationell) und an einem Abend auch einen Restaurantbesuch eingelegt, weil davor gerade eine Parklücke auf der Straße frei wurde. Enttäuscht wurden wir aber nicht, in der Gegend scheint einfach jegliches Essen gut zu sein. Und geschmacklich werden einem wirklich neue Welten eröffnet. An dieser Stelle muss ich euch das Ka’an nahelegen, mir hat es bei unserem ersten Besuch wirklich den Atem geraubt. Wenn man der Beach Road bis ans Ende folgt, kommt man an den Eingang zu einem Naturreservat bzw. Nationalpark, Sian Ka’an. Links das Meer, rechts eine wunderbare Lagune (übrigens mit Krokos, wie wir festgestellt haben. Und zwar großen.) Von dort sind es noch einige Kilometer Fahrt auf einer holprigen Sandstraße, bis man bei dem Strandrestaurant Ka’an ankommt – Loungemöbel unter freiem Himmel, eine Bar, Essen ausschließlich über dem Feuer zubereitet und lokale Zutaten. Eine einmalige Erfahrung.

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Teil zwei über México City folgt in hoffentlich annehmbarer Zeit. Sage ich jetzt mal…