Freiheit!

Wir haben es hinter uns gebracht. Oder besser gesagt, das Kind hat es hinter sich gebracht. Ich glaube, möglicherweise ohne größere Traumata, aber wer weiß, was er seine*r/m Therapeut*in/en (wie setzt man denn da die Sternchen eigentlich richtig? Hm.) in zwanzig Jahren erzählen wird. „Damals, als ich zweeiiii Wochen lang das Haus nicht verlassen durfte…“, während er in Tränen ausbricht.

Sichtbare Bilanz soweit: zwei zerbrochene Vasen (beim Fangenspielen im Wohnzimmer ausgerutscht), eine fast zerbrochene Gin-Flasche (beim Hulahoop im Wohnzimmer abgeschossen), Fußabdrücke an der Wand (kann es sein, dass Socken abfärben oder hatte er nur so dreckige Füße?), diverse nicht mehr auffindbare Teller und Gläser, es will sich aber niemand schuldig bekennen, obwohl ich davon ausgehe, dass ihre zerbrochenen Einzelteile beseitigt wurden (beim ununterbrochenen Snacken überall im Hauswir sind ja sooo 2020, Quarantäne UND Snackification. Wow. Googelt mal Snackification. Unglaublich hip.), irre hohe Lebenshaltungskosten (siehe Snacks. Plus natürlich die Spielekonsole.), die interessante Einsicht, dass auch ein Kind in Quarantäne täglich einen Berg Dreckwäsche produziert und ein komplett ungeputztes Haus. Weil ja die Putzfrau nicht mehr kommen durfte. Und ich dem Dreck und den Staubflusen nicht mehr Herr werde. Grmpf.

Jedenfalls sind wir direkt am ersten Tag in Freiheit ins Legoland gefahren. Und weil es quasi noch ihr Geburtstag war (so jedenfalls ihre Ansicht), musste ich auf Anweisung auch mit Achterbahn fahren. In der ersten dachte ich, ich muss mich übergeben und habe so geschrien, dass ich mir selbst den Mund zuhalten musste, in der zweiten (auch noch mit Wildwasser und rückwärts) habe ich mich so weit eingekugelt, dass ich mir den Kopf angeschlagen habe und in der dritten sind mir, glaube ich, sieben Bandscheiben verrutscht. Und ich habe möglicherweise die Hand des Kindes (in meiner) gequetscht. Am Tag danach hatte ich im ganzen Körper Muskelkater.

Mama, an dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für den Zwischenfall vor etwa 25 Jahren entschuldigen, als ich dich auf dem Oktoberfest in TopSpin genötigt habe. Jetzt kann ich dich verstehen. Und werde um jeden Preis vermeiden, mich in meinem Alter in ein solches Fahrgeschäft zu setzen.

Und der Schwiegervater ist für ein paar Tage bei uns eingezogen, was für gewöhnlich bedeutet, dass ich meines Hausherrinnenrechts enthoben werde, die Küche vollständig abtreten muss und viel Zeit im Keller beim Wäschesortieren verbringe. Freiwillig. Trifft sich gerade ja ganz gut. Aber prinzipiell ist er momentan gut ertragbar.

Der Gatte hatte den ihm zum Geburtstag von seinen Eltern feierlich überreichten Kaffeevollautomaten auf meinen entsetzen Blick hin schon vor Monaten im Keller deponiert, sah sich jetzt aber genötigt, ihn wieder nach oben zu befördern, um den Schein zu wahren. „Jaaa, super Kaffee, ganz irre gut. Ja klar, trinke täglich acht Tassen. Mhm. Lecker.“. Feigling. Pah.

Jedenfalls stand das Ungetüm nun in der Küche und plötzlich ging am späten Abend das Mahlwerk von alleine los. Klingt ungefähr wie ein Düsenjäger im Haus. Wir sind alle zu Tode erschrocken, der Gatte lief in die – offene – Küche und hantierte daran herum, die Kinder neugierig hinterher. Und dann kam es. Der Moment, in dem man seine Kinder verflucht. „Papa, ist die neuheu?“ Die Schultern des Gatten versteiften sich. „Paaaapaaa, ist die Kaffeemaschine neuheuu?“ Verzweifelter Blick zum Kind, stille Halt-doch-die Klappe-Botschaft. Fruchtloser Versuch. „Papa, warum sagst du nichts? Die Kaffeemaschine, die ist doch neu, oder? Die habe ich jedenfalls noch nie gesehen.“

Der Opa und ich lagen jedenfalls vor Lachen am Boden.

Er hat den Frevel gut weggesteckt. Aber unsere alte, kleine, leise Pad-Maschine scheint nun verschwunden. Merkwürdig.

Ich bin raus.

Zumindest aus der Isolation. Im Gegensatz zu dem nun zweifach negativ getesteten Kind. Das muss auch noch den quälenden Rest absitzen.

Der Kindergeburtstag verlief gar nicht mal so übel (wenn auch tatsächlich ohne Hüpfburg, weil der doofe Wetterbericht völlig daneben lag); wenn man den Kindern glauben darf, sogar ziemlich prima. Allerdings kam vorm Einschlafen dann noch die Frage „Mama, wann holen wir denn den Geburtstag nach?“

Hm. Vielleicht war er doch nur unter dem Gesichtspunkt prima, dass da noch ein weiteres rauschendes Fest folgen wird?

Es gab eine Piñata, eine Pokemon-Torte, Geschenke und Bargeld, wodurch das Video an Familie und Verwandtschaft gleich mal gesprengt wurde, weil das Kind mit „Ach du meine Scheiße!“ seine Begeisterung kundtat und ich umgehend das Filmen stoppten musste.

Die Frage, woher sie eine solche Ausdrucksweise haben, muss ich nach meinem Wutausbruch ob der Unfähigkeit des Gesundheitsamts seit heute morgen mit „anscheinend von mir“ beantworten, nachdem ich wie Rumpelstilzchen durch’s Wohnzimmer gesprungen bin und Gift und Galle gespuckt habe, während der Gatte telefonierte. Das Kind, oder auch KP1 (Kontaktperson 1) genannt, ist wie gesagt zweifach negativ getestet worden, hat aber irrsinnigerweise auch noch einen Tag länger Quarantäne als alle anderen verhängt bekommen. Das liegt vermutlich daran, dass das Amt keine Ahnung hatte, wer nun das Indexkind, also der positiv getestete Auslöser, war und bei uns nachfragte, wann denn der letzte Kontakt stattgefunden hätte. Nachdem wir erklären mussten, dass wir aus Datenschutzgründen darüber natürlich nicht informiert wurden, hatte der Mitarbeiter einfach lustig und frei einen Tag eingetragen. Der uns jetzt zum Verhängnis wird, weil – ganz das Amt – man sich zwar nicht erklären kann, woher dieses Enddatum kommt, aber das ja nun nicht so einfach wieder rückgängig zu machen ist. Nachdem sie meine kleine KP1 zunächst gar nicht auf der Quarantäneliste hatten… sind ja auch selbst schuld, wenn wir da anrufen und quasi darum betteln. Ansonsten wäre bis heute nichts von offizieller Seite dazu gekommen. Beim nächsten Mal weiß ich es übrigens besser. Hier bitte einen Mittelfinger vorstellen.

Ach ja, habe ich erwähnt, dass Peter Altmaier, der ebenfalls Kontaktperson und in Quarantäne war, nach nur wenigen Tagen diese „nach Prüfung der Umstände“ (Aha. Soso.) und negativem Test als nicht mehr nötig beendet hat? Man kann allen Schulkindern nur raten, so früh wie möglich in die Politik einzusteigen, vielleicht hilft’s gegen Behördenstarrsinn.

Kleine nette Anekdote zum Schluss, um hier nicht mit Verbitterung zu enden: KP1 hat ja momentan viel Zeit und nachdem die physische Suche nach dem Geburtstagsgeschenk im Keller tatsächlich zur Hälfte erfolgreich war (sie haben das des Bruders entdeckt), ich aber partout nicht damit rausrücken wollte, ob sein Wunsch ebenfalls berücksichtigt wurde, sah er mich fest an und sagte: „Tja Mama, dann sehe ich mir jetzt einfach den Verlauf am Computer an, dann weiß ich es auch.“ Whaattttt?!

Vielleicht haben wir uns mit ihrem Geburtsdatum vertan und sie sind nicht erst 9, sondern 14 geworden.

Update: gerade eben kam der initiale Anruf vom Gesundheitsamt. Der, der eigentlich vorletzte Woche hätte erfolgen und uns über die Quarantäne aufklären sollen. Die sehr nette Dame entschuldigte sich für die späte Rückmeldung, was mich wiederum zu der Frage veranlasste, ob sie denn wüsste, dass wir bereits mehrfach mit dem Referat telefoniert hätten. Nein. Wusste sie nicht. Jedenfalls bekommen wir jetzt, an Tag 12 der Quarantäne, mitgeteilt, dass jene in zwei Tagen enden wird. Aber erst nach 23:59 Uhr. Das ist wichtig.

Tag 3 1/2 bis 4 1/2. Oder: 101 Stunden Verzweiflung.

Wir haben Konsequenzen ergriffen und das Kind, wie das RKI es mit Kontaktpersonen vorschlägt, räumlich vom Rest der Familie getrennt. Er wohnt nun im Garten.

Morgen werde ich wahrscheinlich die vergangene Zeit in Minuten und Sekunden benennen. Gestern hatten wir jedenfalls den vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die Kinder haben sich minütlich zwischen abgrundtiefer Trauer und explosiven Wutanfällen abgewechselt, der Gatte schlurfte gereizt durch’s Haus und unser aller Nerven waren zum Zerreißen gespannt.

Highlight des Morgens: der Ausflug zum Arzt. Hurra, hurra. Ich bin seit der Draht-im-Hals-Geschichte ein noch größerer Schisser als ohnehin schon und hatte, obwohl es mein zweiter Test war, in der Nacht denkbar schlecht geschlafen und weiche Knie. Irgendjemand sagte mal, dass das Stäbchen in der Nase oder eben eher schon halb im Hirn an „Kindheitserinnerungen kratzen“ würde und ja, exakt so fühlt es sich an. Kind 1 hat es gut weggesteckt, wenn auch nicht begeistert, Kind 2 schlägt nach mir und ist traumatisiert. Da halfen nicht einmal die von ihm georderten Macarons etwas (ich habe als Kind übrigens nach der Impfung ein Gummibärchen bekommen, der junge Herr von heute bestellt Macarons).

Danach ging es nur noch bergab. Es sickerte wohl langsam bei ihnen durch, wie sich die nächsten zehn Tage gestalten werden – einschließlich ihres Geburtstags: nämlich irgendwie… gar nicht.

Wir haben heute aus lauter Mitgefühl eine Hüpfburg zum Geburtstag angefragt. Für sie alleine. Im Garten. Während wir wahrscheinlich allen Nachbarskindern „Du darfst hier nicht rein“ über‘n Zaun zurufen. Der Gatte wird sich vermutlich etwas zerren beim Aufbau und später die Bandscheibe quetschen, wenn er sich ebenfalls im Hüpfen versucht. Es wird vielleicht auch in Strömen regnen, die Verleihfirma schrieb eben schon, dass sie übermorgen nicht verleihen, weil es schütten soll (wir dürfen es aber dennoch spontan versuchen).

Generell läuft es heute ein wenig runder. Es gab nur zwei Wutanfälle und nur dreimal Tränen. Ich konnte bisher halbwegs vernünftig arbeiten und, ach ja, wir haben die Testergebnisse: viermal negativ.

Blöderweise ändert das nur nicht viel an der Misere. Auch nach etlichen Gesprächen mit Gesundheitsreferat und Schule, während ersteres versucht, der Schule die Verantwortung zuzuschieben, diese aber effektiv keinerlei Handhabe hat, muss Kind 1 daheim bleiben. Die vollen zwei Wochen. Interessanterweise sogar noch einen Tag länger, ich kann mir nicht erklären, woher der nun kommt. Entspricht jedenfalls nicht den Angaben, die ich online für die quarantänierte Schulklasse gefunden habe. Wahrscheinlich ist das die Strafe für unsere Intervention.

Ich habe in der Zwischenzeit E-Mails an den Bürgermeister, den Kultusminister und unseren Herrn Dr. Söder geschrieben, weil es mich so wütend macht, dass sie alle ständig „positive Bilanzen ziehen“ und sich für ihre Pläne gegenseitig auf die Schulter klopfen. Verspreche mir momentan nicht allzu viel davon, habe aber immerhin schon einen netten Anruf vom Referat für Bildung und Sport bekommen.

Gerade laufen die Kinder übrigens, sich unterhaltend und hochkonzentriert, wie gestörte Zirkustiere im Kreis um den Sonnenschirmständer. Seit etwa 20 Minuten. Ich bin prinzipiell dankbar für jeden Schritt, den sie tun – oder sollte ich mir Sorgen machen?

Tag 2 1/2.

Soooo. Heute ist die Grundstimmung schon besser. Vermutlich, weil Wochenende ist. Und möglicherweise, weil ich den Jungs noch vor dem Frühstück „zocken“ gestattet habe. Ich sinke jeden Tag tiefer, was die Erziehungsmethoden angeht. Aber was macht man denn 12 Stunden am Tag daheim, wenn man Kind ist und Aufräumen und Putzen kacke findet?

Das bringt mich jetzt auf eine Idee. Vielleicht sollte ich ihnen erstmal so richtig mit Haushaltsaufgaben die Laune versauen, dann finden sie stundenlanges Löcher-in-die-Luft-starren sicher gleich ganz prima.

Ich habe übrigens direkt die ersten Schulaufgaben, oder auch neumodisch auf Corona-deutsch „homeschooling“ genannt, sausen lassen. Die neue Lehrerin ist dankenswerterweise der Auffassung, dass sie den Kindern den Stoff beibringt und nicht wir Eltern damit geknechtet werden sollten (zum Wohl der Kinder, versteht sich). Wie bitte? Sagte jetzt jemand etwas von digitalem Unterricht? Und dem superduper 7-Punkte-Plan von Piazolo, für den sie sich alle gerade selbst so sehr auf die Schulter klopfen? Ja, genau der mit der morgendlichen Videokonferenz zum Unterrichtsstart für alle. Ach, geht nicht? Na ja, dann halt eine Begrüßungsmail. Geht auch nicht? Hmmmm. Aber wie soll denn dann bloß die Anwesenheit der Schüler festgestellt werden? Weißte, das überlassen wir doch jetzt besser den Lehrern, die machen das schon. Wenn man zuviel hinterfragt, kommen nur Missstände ans Licht. Und die würden ja am Schulterklopfen hindern. Also.

Was jetzt also erstmal prima ist: sie bekommen simple Arbeitsaufgaben auf kopierten und ausgedruckten, höchst analogen Blättern. Ich muss sie aber trotzdem irgendwie dazu motivieren. Funktioniert super, wenn man selbst an der schwierigen Zusammenstellung von wichtigen Sitzungsunterlagen sitzt und das Kind, Knäckebrot kauend, weil ewig hungrig, neben einem monologisiert. Im Flüsterton, weil ich dringend um Ruhe gebeten hatte.

„Chrrpchrrpchrrp. Also, ich weiß ja nicht, wie du das machst. Chrrrpchrrp. Mampf. Ich verstehe da gar nichts, was auf deinem Bildschirm steht. Was heißt das denn? Chrrp.Chrrp. Oh, schau mal, mach das mal groß. Whoa, ist das Englisch? Was machst du da? Kann ich auch mal? Maaamaaa, kann ich auch mal auf ‚senden‘ klicken?“ – „Schatz, bitte, ich muss mich wirklich konzentrieren.“ „Okay. Chrrp. Chrrrp.“ Etwa eine Minute Ruhe, nur das Knäckebrotknacken ist zu hören. „Mama?“… Etwas lauter geflüstert „Mama?!“ „Was denn???“ – „Kann ich dir helfen?“ – „Nein, ich muss mich, wie gesagt, sehr konzentrieren und du kannst das nicht.“ – „Du könntest es mir aber doch zeigen.“

„Nein…-“, das Telefon und sämtliche vernetzten Geräte klingeln, mein Chef. Das Kind fuchtelt wild vor meinem Gesicht herum, „Wer ist das? Weristdasweristdasweristdas? Kann ich mal seeeehen? Kann er mich seehen?“ Leider kann er aber sehen, wie ich das Kind verzweifelt aus meinem Gesichtsfeld wedele, bevor es endlich in Reichweite kommt und ich es wegschubsen kann. Das Kind lacht sich tot.

Ich denke wieder über einen Gin Tonic nach.

Kontaktperson.

Bäm, da war er, der gefürchtete Anruf. Ich sitze im Büro und auf meinem Handydisplay erscheint „SCHULE“. Das löst bei mir immer sofort einen Sturzbach aus Angstszenarien aus: Kind hat sich etwas gebrochen, hat eine Gehirnerschütterung, eine Platzwunde, gekotzt, Fieber – oder eben: Kontakt zu einer positiv auf COVID19 getesteten Person. Jackpot. In der Hausaufgabengruppe des einen Minis hat sich ein Kind infiziert. Ich möge doch meines bitte umgehend abholen und in vierzehntägige Quarantäne stecken.

Dank eines Zeitungsartikels von vor einigen Wochen von einer leidgeplagten Berliner Mutter weiß ich schon Bescheid: der Rest der Familie ist tatsächlich nicht betroffen, wir dürfen weiterhin raus und der Zwillingsbruder auch in die Schule – was wir aber nicht riskieren wollen und ihn in Absprache mit der (dankbaren) Lehrerin ebenfalls mit nach Hause nehmen.

Wegen eines familiären Notfalls muss der Gatte allerdings weg, will sich aber nicht verantwortungslos verhalten und versucht, noch einen Test auf die Schnelle zu bekommen. Für knapp 200 Euro soll das in einem Zentrum am Flughafen möglich sein, wird ihm telefonisch gesagt. Als er dort vor Ort sein Problem schildert, wird ihm der Test verweigert – er sei ja schließlich Kontaktperson zweiten Grades, das wäre zu risikobehaftet. Aha. Getestet wird man dort nur, wenn man also definitiv gesund ist? Als möglicherweise, wenn auch nur mit geringer Chance, Infizierter ist es demnach dann also besser, sich ungetestet in der Öffentlichkeit zu bewegen. Gibt ja auch vom Gesundheitsamt dahingehend keine Auflagen für symptomlose Kontaktpersonen II. Apropos: es ist Freitagabend, der Anruf der Schule kam gestern Mittag. Vom Amt – nichts.

Aktuell sind in über 40 Schulen Kinder in Quarantäne. Oder eben nicht, weil das Gesundheitsamt keine Kapazitäten für die nötigen Anrufe hat. Denn heißt das eigentlich, dass wir ohne offizielle Weisung nicht womöglich gar nicht daran gebunden sind? Natürlich halten wir uns strikt daran, aber es scheint ja genügend Leute zu geben, die das ohnehin nicht sonderlich tangiert.

Die Quarantäne ist übrigens auch nicht automatisch nach 14 Tagen vorüber, geschweige denn mit Vorweisen eines negativen Tests. Nein, die zwei Wochen müssen abgesessen werden und danach vom Amt auch wieder aufgehoben werden. (Edit: ich habe eben immerhin online auf der Seite der Süddeutschen eine Liste der betroffenen Schulen inklusive der angesetzten Dauer der einzelnen Quarantänen gefunden).

Tja, da saß ich also nun mit zwei heulenden Kindern in dem Scherbenhaufen des Bisschens Normalität, das ich mir gerade erst wieder mühsam zusammen gekratzt hatte und habe erstmal mitgeheult. Und mir dann mittags einen wirklich großen Gin Tonic gemacht. Meine Freundin sagte, das wäre völlig okay, hier in Bayern könnte ich den auch morgens schon trinken. Frühschoppen. Der Zeitpunkt jedenfalls war auch wegen der anderen familiären Sache desaströs. Und, ach ja – die Jungs haben nächste Woche Geburtstag. Hurra. Die Party ist sowieso von Woche zu Woche durch uns geschrumpft worden, der letzte Stand war schon ohne Freunde, aber immerhin mit Opa und im Legoland. Und jetzt? Nix.

Aber wenigstens habe ich schon eine Torte bestellt. Eigentlich, weil ich keine Lust auf diese Küchenschlacht hatte (ich meine, die Kinder haben ja inzwischen Ansprüche…, die denen von Backshows im TV ähneln. „Mach mal bitte drölfzig Ninjago-Cupcakes in Yves-Klein-Blau mit der neuen Uniform, nein, der neuen, und dem Helm mit diesem Symbol in Gold und den Schlangen und dem bösen Superschurken auf einer dreistöckigen Torte.“ So in etwa.) Letztes Jahr wollte ich mich nur auf die Optik konzentrieren und habe als Basis für den ganzen Fondant-Mist obendrauf eine Backmischung ‚Funfetti‘ genommen, was geil aussah, ich selbst aber auf keinen Fall gegessen hätte. Und was war? Wochen später erzählen mir die Jungs, dass sie mit einem ihrer Freunde Streit hatten und dieser in seiner Schimpftirade auch meinen Kuchen als „hat scheiße geschmeckt“ beleidigt hätte. Rotzlöffel. Muss ich noch sagen, dass ich ihn nicht mehr leiden kann?

Passiert mir dieses Jahr jedenfalls nicht mehr. Gekaufte Torte, keine Gäste. Zumindest für mich akzeptable Umstände. Allerdings stelle ich mir nun die nächsten beiden Wochen vor und bin kurz vor einer Ohnmacht. Was mich auch prompt dazu bewogen hat, – oh Gott, ich traue mich kaum, es niederzuschreiben – gestern noch unüberlegt, aber dafür für teures, teures Geld eine Spielekonsole zu bestellen. Ich weiß, ich weiß. Aber ernsthaft: zwei Wochen eingesperrte Kinder, die auch sonst schon knapp vor ADHS stehen?! Gnnaaahhh.

Ich halte euch auf dem Laufenden… falls ich nicht durchdrehen sollte.