Soooo. Heute ist die Grundstimmung schon besser. Vermutlich, weil Wochenende ist. Und möglicherweise, weil ich den Jungs noch vor dem Frühstück „zocken“ gestattet habe. Ich sinke jeden Tag tiefer, was die Erziehungsmethoden angeht. Aber was macht man denn 12 Stunden am Tag daheim, wenn man Kind ist und Aufräumen und Putzen kacke findet?

Das bringt mich jetzt auf eine Idee. Vielleicht sollte ich ihnen erstmal so richtig mit Haushaltsaufgaben die Laune versauen, dann finden sie stundenlanges Löcher-in-die-Luft-starren sicher gleich ganz prima.

Ich habe übrigens direkt die ersten Schulaufgaben, oder auch neumodisch auf Corona-deutsch „homeschooling“ genannt, sausen lassen. Die neue Lehrerin ist dankenswerterweise der Auffassung, dass sie den Kindern den Stoff beibringt und nicht wir Eltern damit geknechtet werden sollten (zum Wohl der Kinder, versteht sich). Wie bitte? Sagte jetzt jemand etwas von digitalem Unterricht? Und dem superduper 7-Punkte-Plan von Piazolo, für den sie sich alle gerade selbst so sehr auf die Schulter klopfen? Ja, genau der mit der morgendlichen Videokonferenz zum Unterrichtsstart für alle. Ach, geht nicht? Na ja, dann halt eine Begrüßungsmail. Geht auch nicht? Hmmmm. Aber wie soll denn dann bloß die Anwesenheit der Schüler festgestellt werden? Weißte, das überlassen wir doch jetzt besser den Lehrern, die machen das schon. Wenn man zuviel hinterfragt, kommen nur Missstände ans Licht. Und die würden ja am Schulterklopfen hindern. Also.

Was jetzt also erstmal prima ist: sie bekommen simple Arbeitsaufgaben auf kopierten und ausgedruckten, höchst analogen Blättern. Ich muss sie aber trotzdem irgendwie dazu motivieren. Funktioniert super, wenn man selbst an der schwierigen Zusammenstellung von wichtigen Sitzungsunterlagen sitzt und das Kind, Knäckebrot kauend, weil ewig hungrig, neben einem monologisiert. Im Flüsterton, weil ich dringend um Ruhe gebeten hatte.

„Chrrpchrrpchrrp. Also, ich weiß ja nicht, wie du das machst. Chrrrpchrrp. Mampf. Ich verstehe da gar nichts, was auf deinem Bildschirm steht. Was heißt das denn? Chrrp.Chrrp. Oh, schau mal, mach das mal groß. Whoa, ist das Englisch? Was machst du da? Kann ich auch mal? Maaamaaa, kann ich auch mal auf ‚senden‘ klicken?“ – „Schatz, bitte, ich muss mich wirklich konzentrieren.“ „Okay. Chrrp. Chrrrp.“ Etwa eine Minute Ruhe, nur das Knäckebrotknacken ist zu hören. „Mama?“… Etwas lauter geflüstert „Mama?!“ „Was denn???“ – „Kann ich dir helfen?“ – „Nein, ich muss mich, wie gesagt, sehr konzentrieren und du kannst das nicht.“ – „Du könntest es mir aber doch zeigen.“

„Nein…-“, das Telefon und sämtliche vernetzten Geräte klingeln, mein Chef. Das Kind fuchtelt wild vor meinem Gesicht herum, „Wer ist das? Weristdasweristdasweristdas? Kann ich mal seeeehen? Kann er mich seehen?“ Leider kann er aber sehen, wie ich das Kind verzweifelt aus meinem Gesichtsfeld wedele, bevor es endlich in Reichweite kommt und ich es wegschubsen kann. Das Kind lacht sich tot.

Ich denke wieder über einen Gin Tonic nach.

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