Wir haben Konsequenzen ergriffen und das Kind, wie das RKI es mit Kontaktpersonen vorschlägt, räumlich vom Rest der Familie getrennt. Er wohnt nun im Garten.

Morgen werde ich wahrscheinlich die vergangene Zeit in Minuten und Sekunden benennen. Gestern hatten wir jedenfalls den vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die Kinder haben sich minütlich zwischen abgrundtiefer Trauer und explosiven Wutanfällen abgewechselt, der Gatte schlurfte gereizt durch’s Haus und unser aller Nerven waren zum Zerreißen gespannt.

Highlight des Morgens: der Ausflug zum Arzt. Hurra, hurra. Ich bin seit der Draht-im-Hals-Geschichte ein noch größerer Schisser als ohnehin schon und hatte, obwohl es mein zweiter Test war, in der Nacht denkbar schlecht geschlafen und weiche Knie. Irgendjemand sagte mal, dass das Stäbchen in der Nase oder eben eher schon halb im Hirn an „Kindheitserinnerungen kratzen“ würde und ja, exakt so fühlt es sich an. Kind 1 hat es gut weggesteckt, wenn auch nicht begeistert, Kind 2 schlägt nach mir und ist traumatisiert. Da halfen nicht einmal die von ihm georderten Macarons etwas (ich habe als Kind übrigens nach der Impfung ein Gummibärchen bekommen, der junge Herr von heute bestellt Macarons).

Danach ging es nur noch bergab. Es sickerte wohl langsam bei ihnen durch, wie sich die nächsten zehn Tage gestalten werden – einschließlich ihres Geburtstags: nämlich irgendwie… gar nicht.

Wir haben heute aus lauter Mitgefühl eine Hüpfburg zum Geburtstag angefragt. Für sie alleine. Im Garten. Während wir wahrscheinlich allen Nachbarskindern „Du darfst hier nicht rein“ über‘n Zaun zurufen. Der Gatte wird sich vermutlich etwas zerren beim Aufbau und später die Bandscheibe quetschen, wenn er sich ebenfalls im Hüpfen versucht. Es wird vielleicht auch in Strömen regnen, die Verleihfirma schrieb eben schon, dass sie übermorgen nicht verleihen, weil es schütten soll (wir dürfen es aber dennoch spontan versuchen).

Generell läuft es heute ein wenig runder. Es gab nur zwei Wutanfälle und nur dreimal Tränen. Ich konnte bisher halbwegs vernünftig arbeiten und, ach ja, wir haben die Testergebnisse: viermal negativ.

Blöderweise ändert das nur nicht viel an der Misere. Auch nach etlichen Gesprächen mit Gesundheitsreferat und Schule, während ersteres versucht, der Schule die Verantwortung zuzuschieben, diese aber effektiv keinerlei Handhabe hat, muss Kind 1 daheim bleiben. Die vollen zwei Wochen. Interessanterweise sogar noch einen Tag länger, ich kann mir nicht erklären, woher der nun kommt. Entspricht jedenfalls nicht den Angaben, die ich online für die quarantänierte Schulklasse gefunden habe. Wahrscheinlich ist das die Strafe für unsere Intervention.

Ich habe in der Zwischenzeit E-Mails an den Bürgermeister, den Kultusminister und unseren Herrn Dr. Söder geschrieben, weil es mich so wütend macht, dass sie alle ständig „positive Bilanzen ziehen“ und sich für ihre Pläne gegenseitig auf die Schulter klopfen. Verspreche mir momentan nicht allzu viel davon, habe aber immerhin schon einen netten Anruf vom Referat für Bildung und Sport bekommen.

Gerade laufen die Kinder übrigens, sich unterhaltend und hochkonzentriert, wie gestörte Zirkustiere im Kreis um den Sonnenschirmständer. Seit etwa 20 Minuten. Ich bin prinzipiell dankbar für jeden Schritt, den sie tun – oder sollte ich mir Sorgen machen?

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