Here we go again…

Hallöchen im neuen Jahr. Okayokay, es ist schon fast Mitte März, aber bisher ist ja nicht so wahnsinnig viel Spannendes passiert, nicht wahr? Zahlen rauf, Zahlen runter, Lockdown light, Lockdown hard… pfff. Nase voll.

Ich weiß auch gar nicht so richtig, was ich jetzt gerade schreiben soll, wollte es aber einfach mal versuchen. Wenn ich erst einmal angefangen habe, läuft es meistens – und ich möchte doch so gerne ein paar Eindrücke hier festhalten, weil ich viel zu schnell vergesse und die alten Posts über die Minis inzwischen ein wirklich wertvoller Erinnerungsschatz sind. An manche Begebenheiten kann ich mich noch nicht einmal nach dem Lesen erinnern.

Die Jungs werden in einem halben Jahr übrigens 10. Zweistellig. Irre. Ich fühle mich in letzter Zeit zunehmend sentimentaler, das kenne ich so gar nicht. Ich bin fast geplatzt vor Begeisterung, als sie endlich Schulkinder waren und Wackelzähne hatten und mit Englisch anfingen, aber jetzt gerade wird mir doch Angst und Bange bei dem Tempo, in dem aus ihnen quasi Teenager werden. Sie sind vorlaut, frech und faul. Und sie gehen nach mir ins Bett, schlafen dafür den halben Tag und zocken Nintendo, dazu sehen sie sich Tutorials auf Youtube an. Klingt wie 16, oder? Na ja, noch habe ich den Daumen drauf: sie gehen später ins Bett, weil ich völlig platt beim Vorlesen oft einschlafe. Sie stehen so spät auf, weil ich dankbar für die Ruhe morgens bin. Sie zocken, weil ich sie lasse, wenn sie brav waren. Und weil ich glaube, dass es dem einen Kind beim „anger management“ hilft. Er ist ziemlich sensibel und die Anspannung macht ihn kirre, weshalb wir zwischen den Levels oft Händchenhalten und uns drücken müssen, um die Spannung abzubauen. Bevor er den Bruder wüst anpampt, weil der ihm zu unfähig ist. Was gerade erst in Zockverbot für eine Woche bei beiden resultierte. Aber grundsätzlich wird es besser, Wutausbruch für Wutausbruch. Wie baby led weaning – pre-teen led gaming. Sollte vielleicht ein Buch dazu schreiben (* siehe auch vorletzter Absatz über’s Bücherschreiben).

Ich habe übrigens damals, vor vielen, vielen Monden, Pokémon auf dem Gameboy aufgeben müssen, weil ich Pikachu in einer dunklen Höhle verloren und nicht wieder herausgefunden habe. An Super Mario habe ich mich aus nervlichen Gründen gar nicht erst versucht. Tetris war das einzige Tempospiel, das ich wenigstens in den niedrigen Levels hinbekommen habe.

Sie, also die Kinder, haben in der Schule, ach nein, was sage ich denn, im home schooling vom Papa gelernt, wie man Briefe schreibt und ich bekomme jetzt ganz herzzerreißende SMSen ins Büro wie „Liebe Mama, ich hoffe es geht dir gut. Ich will nicht in die Schule. Wie läuft es bei dir? Bitte schreib mir zurück. ich muss jetzt Schluss machen viele Grüße x“ oder „HALLO MAMA WIE GEHT ES DIRDENN?ICHVERMISSE DICH JETZT SCHON.DU KANNST MIR DOCH EIN VIDEO VON DIR SCHICKEN DASS KÖNNTE ICH MIR IMMER ANSCHAUEN WENN ICH DICH VERMISSE WAS HÄLTST DU DAVON?CI MUSS JETZT SCHLUSS MACHEN BIS BALD DEIN XX“. Dann folgen meist noch einige hundert Smilies oder die Aufforderung, doch bitte endlich mal zurückzuschreiben. Nach ca. 25 Sekunden.

Auch schön: ein Foto vom Zeugnis, mit der Frage „BEKOMMEN WIR JETZT SUPER MARIO ODYSSEE?“, woraufhin ich schrieb „Glückwunsch Schatz, das ist ja wirklich ein gutes Zeugnis. Ich bin sehr stolz auf dich!“ – „BEKOMMEN WIR ES JETZT??“.

Was sonst noch? Ich habe meine Gartenlust wiederentdeckt. Oder nein, dieses Mal ist es anders: ich habe grünen Ehrgeiz entwickelt. Die Jungs haben sich im letzten Jahr fleischfressende Pflanzen gewünscht, fanden sie für zwei Tage super und haben sie dann nicht mehr beachtet. Normalerweise geht es mir bei Grünzeug ähnlich, ich vergesse es einfach, weshalb bei uns im Haus und auf der Terrasse nichts überlebt, was irgendwann Wasser braucht. Aber dieses Mal scheint sich etwas verändert zu haben. Ich gieße die Fleischfresser regelmäßig und das, obwohl sie auch noch Ansprüche haben und Regenwasser brauchen. Gerade (nobel, nobel) bekommen sie die abgestandenen Bio-Mineralwasser-Reste der Kinder, weil ich vergessen habe, das Regenwasser aufzufangen und der Schnee inzwischen weggetaut ist. Scheint auch zu gehen. Jedenfalls gedeihen sie schon seit Monaten und haben zu unserer Überraschung auch noch Blüten bekommen (dachte immer, dass die Fressklappen [möglicherweise nicht der richtige Botanik-Terminus] die Blüten wären. Tja, Irrtum).

Das Ganze hat mich zur Selbstzüchtung von weiterem Grünzeug inspiriert. Normalerweise bekomme ich den Drang zur selben Zeit wie jetzt, muss mich dann aber noch Monate gedulden, weil alles für mich interessante Obst und Gemüse (Tomaten und Erdbeeren, fertig.) noch nicht im Gartenmarkt verfügbar ist und ich grundsätzlich nur größer vorgewachsene und robuste Pflanzen kaufe, damit sie wenigstens ein paar Wochen überleben. Dieses Mal aber kam es anders.

Ich bin leicht hysterisch auf dem „alles-nur-noch-hochwertig(nicht Discounter)-Bio“-Trip, weil regelmäßiges Lesen von Ökotest und anderen Quellen (Besser einkaufen von Katarina Schickling war ein echter Augenöffner, obwohl ich mich in den letzten Jahren eigentlich schon für eine durchaus informierte und bewusste Konsumentin gehalten habe; es ist schockierend, was wir essen, wie wir essen und was wir generell zu uns nehmen) nicht unbedingt zu einem entspannten Ausblick auf die Welt anregt. Jedenfalls keimte so der Gedanke in mir, dass ich doch noch einmal die Selbstversorgung mit ein paar gemüsigen Sachen versuchen könnte. Meine Mama ist begeisterter Gartenfan und züchtet seit Jahren alles Mögliche in ihren Beeten, was mich aber, ehrlich gesagt, mäßig interessiert hat und ich sie nur zu gerne an den Gatten verwiesen habe, der wenigstens ab und an etwas umgräbt. Mein Bereich ist der Vorgarten, klein, überschaubar, mediterranes Klima. Dort wachsen riesige Rosmarinbüsche und Lavendelsträucher in völliger Selbstüberlassung, Erdbeeren (wie Unkraut. Leider auch nicht so lecker, weil ich eben zu wenig gieße und sie so zwar enorm überlebensfähig sind, die Früchte aber auch zäh wie Leder sind und praktisch nur aus Kernen – oder ha, Gartenwissen: „Nüsschen“ bestehen.) und einige Rosen, die ich nie beschneiden kann, weil sie doch so schöne lange Triebe machen und mir das Herz dabei bluten würde. Ach ja, ein Mandelbaum auch noch. Für 10 Euro nach einem Hagelschaden im Baumarkt erstanden, niemand dachte, dass er auch nur ein Jahr überlebt – und jetzt: wächst und gedeiht er prächtig seit 5 Jahren. Direkt am Haus, weil wir Gartenanfängeridioten dachte, das wäre ein super Platz, um einen BAUM zu pflanzen. Nunja.

(Dass wir denselben Mist auch hinten im Garten gebracht und Quitten, Mirabellen und noch irgendwas, das ich immer vergesse, angebaut haben – in völliger Ignoranz sämtlicher Paragrafen und Gartenregeln natürlich direkt am Zaun und der Grundstückgrenze – schreibe ich hier lieber nur ganz klein. Natürlich wächst auch da alles ganz super und ich sehe uns bald für viel Geld einen Profi-Baumfäller engagieren.)

Jedenfalls hat mich der Ehrgeiz gepackt, ich habe online „alte“ Samensorten von allem Möglichen bestellt, alt, weil die neuen, hybriden Züchtungen entweder womöglich genmanipuliert (CMS) oder aber mindestens gekreuzt (F1) wurden und weil sich dadurch aus den geernteten Früchten keine Samen mehr für eine zweite Runde gewinnen lassen, die gezüchteten Eigenschaften würden sich in etwas völlig Neues aufspalten. Also altes Saatgut. Vielleicht nicht so ertragreich, aber möglicherweise auch nicht so überzüchtet.

Bei uns auf der Küchenfensterbank und einem extra angeschafften Pflanztrolley, auf dem ich meine „Babys“ täglich durch’s Wohnzimmer zu den besten Sonnenplätzen rolle, keimen also gerade Zuckererbsen, Radieschen, diverse Tomatensorten, kleine knubbelige Möhren (mein Gedanke war, dass es mit kompakter Form vielleicht nicht so lange bis zur Ernte dauert…) und Physalis (die haben mich ganz schön zappeln lassen, habe sie vor zwei Wochen ausgesät und erst jetzt sieht man zarteste Keimlinge). In den Startlöchern stehen Kartoffeln, Salate und, neueste Idee, Versuche mit Küchenabfällen von Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Ingwer etc. Ins Beet gesetzt haben wir schon Karottensamen, irgendetwas, das aussieht wie Frühlingszwiebeln, aber anders heißt, und Kamille. Letzteres fand ich einfach gut, weiß aber nicht, ob ich jemals Tee damit machen werde.

Gerade eben habe ich auch noch gesehen, dass Judith Rakers ein Buch über das „Home Farming“ geschrieben hat. Grundsätzlich bin ich bei sowas eher skeptisch (wer kann und darf heutzutage eigentlich alles ein Buch schreiben? Das macht mich manchmal wirklich fassungslos. Ich meine… 300 Seiten über grüne Smoothies oder Sellerie? Und das dann auch noch als Band 1, 2, 3 und special editions für den Thermomix, den Rohköstler und den Veganer? Bah.), aber die paar Seiten der Vorschau klingen sympathisch. Ich habe es mal auf meine Liste gesetzt.

Noch eine kleine Sache, die ich gerade gut finde – vielleicht hilft es jemandem von euch auch: wir hatten Ende des letzten Jahres HelloFresh ausprobiert und sind jetzt vor ein paar Wochen zu MarleySpoon gewechselt, weil der ganze Plastik-Verpackungsabfall bei HF doch immens und die Lebensmittelherkunft oft intransparent war. Bin von MarleySpoon sehr angetan, es ist deutlich weniger Plastik dabei, die Lebensmittel deklariert bio (größtenteils) und das Fleisch, wenn man es denn isst, immerhin mit Tierwohlzertifikat (wobei das der absolute Mindeststandard ist, den man fordern sollte und dem Tier noch nicht annähernd wirklich „Wohl“ beschert…). Im letzten Gericht, veganes Butter Chicken, war „Huhn“ von The Vegetarian Butcher, das ich echt faszinierend fand. Konsistenz, Geschmack, Bratkruste, alles täuschend ähnlich. Sogar die Kinder haben es für gut befunden, die sind da gerne etwas mäkelig. Habe mich jedenfalls sehr gefreut, dass ich auf diese Weise mal dazu gekommen bin, das zu probieren. Natürlich besteht es aus Soja, was aus diversen Gründen suboptimal ist, aber ansonsten sind in diesem Ersatz wenig kritische Zutaten zu bemängeln.

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote vom letzten Trivial Pursuit Spiel mit den Kindern: „Wie heißt der letzte Tag VOR den Osterfeiertagen?“ Kind: „Gründonnerstag.“ Ich: beeindruckt. Kind: „Das weiß ich, weil *Name des Lieblings-Gaming-Youtubers* gesagt hat, dass da Super Mario Odyssee rausgekommen ist.“ Ich: sprachlos. Wenn sie schon in der Schule nichts lernen, dann wenigstens über YouTube.

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